Ende einer Legende

13. April 2007, 17:19
63 Postings

Vermeintliche Überreste von Jeanne d'Arc stammen von einer ägyptischen Mumie und einer Katze - mit Kopf des Tages

Paris - Vermeintliche Überreste der 1431 auf einem Scheiterhaufen verbrannten französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc stammen von einer ägyptischen Mumie und einer Katze. Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen nun Forscher aus Frankreich, die in den vergangenen Monaten die angeblichen Knochen und Hautreste der Jungfrau von Orleans untersuchten.

Gefunden hatte man diese 1867 auf dem Dachboden einer Pariser Apotheke, in einem Gefäß mit der Aufschrift: "Überreste, die unter dem Scheiterhaufen von Jeanne d'Arc, Jungfrau von Orleans, gefunden wurden". Zweifel an der Echtheit gab es schon lange, weil die Engländer angeordnet hatten, die Asche der Aufständischen in der Seine zu verstreuen, um einen Märtyrer-Kult zu verhindern - der sich prompt einstellte.

2006 hatte der französischen Mediziner Philippe Charlier die Erlaubnis erhalten, die der Jeanne d'Arc zugeschriebenen Überreste einer ersten umfassenden genetischen Analyse sowie anatomischen und Röntgenuntersuchungen zu unterziehen. Charliers Team nahm auch ein Infrarotspektrometer sowie ein Elektronenmikroskop zuhilfe, machte eine Pollen-Analyse und datierte die Überreste mit der Radiokarbon-Methode. Das Resultat überraschte laut einem Bericht der britischen Wissenschaftszeitschrift Nature am Mittwoch auch den Leiter der Untersuchungen: "Ich hätte nie gedacht, dass diese Überreste von einer Mumie stammen könnten", so Charlier.

De facto bestehen die von Charlier untersuchten Überreste aus einer verkohlt aussehenden menschlichen Rippe aus dem 3. bis 6. Jahrhundert vor Christus, die von einer ägyptischen Mumie stammt, dunklen Holzstücken, einem 15 Zentimeter langen Leinentuch sowie dem Oberschenkelknochen einer Katze.

Wie ausgerechnet die Rippe einer Mumie Teil der Fälschung werden konnte, erklärt Charlier damit, dass Mumien in Europa im Mittelalter zur Herstellung von Medikamenten benutzt worden sind.

Schließlich halfen auch noch "führende Nasen" der Parfumindustrie, Sylvaine Delacourte und Jean-Michel Duriez, nach dem Bericht mit ihren Riechkünsten bei der Identifizierung mit. Sie bemerkten einen Vanille-Geruch, der bei Mumifizierten entsteht. Auch andere Analysen zeigten, dass die Reste keineswegs "eingeäschert" worden waren. (dpa, tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. April 2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Diese vermeintlichen Überreste von Jeanne d'Arc wurden von Philippe Charlier untersucht.

Share if you care.