Schreiben mit Sportsgeist: Kristo Sagor

6. April 2007, 20:13
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Das Kinder- und Jugendtheater braucht gute Dramatiker - wie den von "Dreier ohne Simone", bearbeitet vom Dschungel Wien

Wien – Als Kristo Sagor, 1976 in Lübeck geboren, vor zehn Jahren sein erstes Stück "Dreier ohne Simone" schrieb, war ihm glücklicherweise nicht bekannt, dass Jugendtheater ein "eigenes Label" ist. Er schreibt ohne Rücksicht auf pädagogische Mindestauflagen und unterrichtskonforme Themen. Der junge Mann mit dem Irokesenkopf geht ohne Betulichkeit an seine Themen heran – Identität, Schuld, Begehren. Wiewohl er die Vorurteile kennt: "Klein, niedlich und 'fluffig' – so stellen sich viele das Kinder- und Jugendtheater vor. Aber das stimmt nicht. Der Stoff bleibt immer der gleiche, nur die Terminologien ändern sich!"

Als der Verlag (Kiepenheuer) im Fall von "Dreier ohne Simone" meinte: Prima, das ist ein Jugendstück, das werden wir diesem und jenem Theater anbieten, war ihm das ganz einfach nur sehr recht. Andere Stücke, mehr als ein Dutzend sind es bis dato (u.a. ausgezeichnet am renommierten Heidelberger Stückemarkt), landeten im Erwachsenenbereich, so etwa "Die nächste Unschuld", im vergangenen Herbst in Wien (am TAG) aufgeführt.

"Dreier ohne Simone" ist ein Psychothriller, in dem drei Jugendliche im Verdacht stehen, auf der Maturareise nach Rom ihre Mitschülerin Simone misshandelt oder sogar vergewaltigt zu haben. Der Dschungel Wien bringt eine bearbeitete Version, nämlich "Dreier MIT Simon", am kommenden Donnerstag zur österreichischen Erstaufführung. Ab fünfzehn Jahren. Soeben abgespielt wurde am selben Haus ein jüngeres Stück des Autors über Unsicherheiten und damit einhergehende Mutproben unter Jugendlichen (FSK 16). Ganz schön erfolgreich.

Der quietschvergnügte 31-Jährige, heute in Berlin zu Hause, verfügt eben über einen "sportiven Zugang zum Schreiben". Schreibhemmung war einmal! Er will einfach alles ausprobieren, Novellen, Gedichte, Kurzgeschichten, ein Libretto für eine Skinhead-Tanzoper war auch schon dabei. Das kann Theateragenten und Dramaturgen nur froh stimmen. Denn sie beklagen das Fehlen neuer Jugend, vor allem aber Kindertheaterstücke nachdrücklich. Jeder Dramatiker, der etwas auf sich hält, umgeht Theater für junges Publikum weiträumig. Zu schwach ist dessen Lobby, und immer noch wird es zu wenig als Kunstsparte begriffen. Dabei haben Vorzeige-Regisseure wie Sebastian Nübling längst das Gegenteil bewiesen. Solcher Kräfte bedürfte es zur Imagekorrektur.

Sagor, auch Regisseur, könnte eine solche werden. Bleibt nur zu hoffen, dass er sich durch theaterpraktische Zwänge in seiner Arbeit nicht beschränken lässt. Denn zunehmend werden Stücke ausschließlich auf ihre Handlichkeit hin verfasst, marktkompatibel eben. Durch die finanzielle Minderstellung ist davon besonders das Kinder- und Jugendtheater betroffen, das sich derzeit beim Drei- bis Fünfpersonen-Stück eingependelt hat.

Dabei bestünde, vor allem an größeren Häusern wie dem Theater der Jugend, dem Next Liberty in Graz oder dem Eisenhand in Linz, durchaus wieder Bedarf an umfassenderem Figurenpersonal. In der Not dramatisieren solche Häuser dann Romanvorlagen. (Margarete Affenzeller DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.4.2007)

ÖEA "Dreier ohne Simone", Dschungel Wien, 12. 4., 20.00
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    foto: standard/ newald
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