Türkei stoppt Pipeline-Gespräche mit Franzosen

30. April 2007, 21:19
8 Postings

Grund ist der französische Beschluss, das Leugnen des türkischen Völkermordes an den Armeniern unter Strafe zu stellen

Ankara - Die Türkei hat ihre Gespräche mit dem französischen Energiekonzern Gaz de France (GdF) über eine Beteiligung an dem milliardenschweren Pipeline-Projekt Nabucco auf Eis gelegt. Als Grund gaben hochrangige Vertreter des türkischen Energieministeriums am Donnerstag den Beschluss der Pariser Nationalversammlung an, das Leugnen des türkischen Völkermordes an den Armeniern unter Strafe zu stellen. Die Türkei werde die französische Präsidentenwahl abwarten, um zu sehen, welchen Kurs die Politik des Landes danach nehmen. Die Stichwahl um die Präsidentschaft ist am 6. Mai.

OMV leitet Entwicklungs-Konsortium

Die 4,6 Milliarden Euro teure Pipeline soll über eine Entfernung von 3300 Kilometern Erdgas aus dem Kaspischen Meer und dem Iran von der Türkei bis nach Österreich transportieren - über Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Das von der österreichischen Energiefirma OMV angeführte Entwicklungs-Konsortium sucht derzeit einen weiteren Partner. Nach früheren bulgarischen Angaben sind dabei neben GdF unter anderem auch E.ON und RWE im Gespräch. Die ohnehin zähen Verhandlungen drohen, das gesamte Projekt zu verzögern. Sollte der Bau wie bislang geplant im nächsten Jahr beginnen, könnte die Pipeline ab 2011 Gas nach Mitteleuropa bringen. Spätestens ab 2020 sollen dann jedes Jahr zwischen 25,5 und 31 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa gelangen. Mit der Pipeline würde Europas Abhängigkeit von russischem Gas reduziert.

Erste Phase abgeschlossen

Der türkische Energieminister Hilmi Güler wollte sich auf Anfrage nicht direkt zu den ausgesetzten Gespräche mit den Franzosen äußern. "Das Nabucco-Projekt hat eine große Bedeutung für uns und wir haben die erste Phase abgeschlossen", sagte der Minister der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Türkei hat eine wichtige Stellung, um Europas Nachfrage nach Gas zu stillen, und dieser Position sind wir uns bewusst." GdF war zunächst nicht für eine Stellungnahme bereit. Die vier anderen beteiligten Länder - Österreich, Rumänien, Bulgarien und Ungarn - haben einer Beteiligung von GdF bereits zugestimmt.

Die französische Nationalversammlung hatte dann im Herbst trotz heftiger türkischer Proteste den Armenier-Gesetzentwurf verabschiedet. Dabei geht es um die Massaker an rund 1,5 Millionen Armeniern im Herrschaftsgebiet des Osmanischen Reiches während Ersten Weltkriegs. Die aus dem Osmanischen Reich hervorgegangene Türkei bestreitet einen Völkermord. (Reuters)

  • Artikelbild
Share if you care.