Und wann ist Garten?

6. April 2007, 17:00
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Das kopik & Lohn in der Leopoldstadt hat endlich einen Koch, dessen Küchenlinie der Pracht dieses Wirtshauses entspricht

Als Horst Scheuer nach Jahrzehnten als Szene-Kellner vergangenen Sommer Wirt wurde und ein lange unter Wert bespieltes Gasthaus mit großem Schanigarten hinter dem Karmelitermarkt übernahm, hatte er dafür gesorgt, einen wirklich wunderbaren Koch im Team zu haben. Der Mann, der einst bei Roland Traunbauer im Stomach gelernt hatte, war motiviert, was aus der Küche kam, schmeckte allen, nur das mit der Lagerhaltung, dem Einkauf und Speisekartenschreiben war, so Scheuer, ganz offensichtlich nicht sein Ding. Nicht jeder, der ein Händchen für den flüchtigen Garpunkt und sensible Würzung hat, bringt unbedingt das Organisationstalent mit, das einen Küchenchef nun einmal auch auszeichnet. Der Mann kocht seit Längerem in einem anderen sehr guten Wirtshaus - nur nicht in der ersten Reihe. Horst Scheuer aber wurde seitdem mit wechselnden Köchen nicht glücklich, der Hype um das schöne Wirtshaus auf dem Platz an der Sonne sorgte freilich trotz mancher Schnitzer in der Küche für ein stets gut gefülltes Haus.

Karte nach Saison

Seit einigen Wochen nun steht ein junger Mann aus Tirol hinterm Herd, und Scheuer kann wieder ganz entspannt sein (besonders gewinnendes) Lächeln spielen lassen: Reinhard Klingler ist gerade einmal 24 Jahre alt, was er kann, hat er bei Sigi Rasper im grandios bekochten Café Engländer gelernt. Und das gereicht dem Wirtshaus mit der prächtigen Schank und der von Otto Zitko mit schwungvollem Pinselstrich behandelten Decke allemal zur Ehre: eine kompromisslos an der Saison ausgerichtete Karte nämlich, die täglich neu geschrieben wird, dem Deftigen durchaus zugetan ist und sich, nicht ganz unwichtig, preislich erfreulich zurückhält. Eingelegte Forelle mit Wildkräutern ist eine mehr als gefällige Vorspeise, das Fischfilet im Gewürzsud gerade eben gar gezogen und mit allerhand marinierten Kräuteln zugedeckt, obendrauf noch ein paar Partikel von ganz offensichtlich selbst im Ofen getrockneter und eingelegter Tomate - sehr gut. Die cremige und wunderbar dichte Pastinakensuppe hat ein bissl Bärlauchöl verpasst bekommen, was ihr zum Glück nichts anhaben kann.

Leber- und Blutwurst von einem Salzburger Fleischhauer kommen mit Erdäpfelpüree und zuckersüß geschmorten Zwiebeln zu Tisch, die Würste reichlich und von feiner Machart - aber zu zaghaft gebraten, was ihnen die Form erhält, die Haut aber nicht knusprig werden lässt. Dafür sind die fantastischen Kalbswangerl "weich wie Pudding" geschmort, mit köstlich konzentriertem Saftl, Wurzelgemüse und einem Semmelsoufflé, das Knödelfreunden wahrscheinlich die Freudentränen einschießen lässt. Jetzt fehlt nur noch die Sonne, damit auch der Garten aufwacht! (Severin Corti/Der Standard/Rondo/06/04/2007)

Skopik & Lohn
Leopoldsgasse 17
1020 Wien
tägl. 17-23 Uhr
VS € 3,20-8,80 HS € 8,90-14,80
  • Allabendlich eine frische Speisekarte, die dem Deftigen reichlich Raum lässt

Fotos: Gerhard Wasserbauer
    foto: gerhard wasserbauer

    Allabendlich eine frische Speisekarte, die dem Deftigen reichlich Raum lässt

    Fotos: Gerhard Wasserbauer

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