Gärten und Motivation

4. April 2007, 19:40
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Cornelia Schmidt-Bleek mit "Send a package of seeds to the gardeners" in der Galerie Hohenlohe

Von so was wie "Gartenlust" dürften die Gefangenen in Guantánamo zwar weit entfernt sein, dennoch haben auch sie ihre eigenen (Gemüse-)Gärten angelegt. Eruiert hat diese unglaubliche Geschichte die deutsche Künstlerin Cornelia Schmidt-Bleek, die sich in ihrer ersten Einzelausstellung in der Wiener Galerie Hohenlohe in der Bäckerstraße mit "Defiant Gardens" befasst.

Ausgangspunkt ihrer Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Menschen, Pflanzen und gesellschaftlichen Entwicklungen ist eine Frage, die sich ein französisches Architektenteam in den 1930er-Jahren stellte: "Wie Rosen pflanzen, wenn gleichzeitig die Wälder in Flammen stehen?" Dass Cornelia Schmidt-Bleeks Antwort "Wie keine Rosen pflanzen, wenn die Wälder in Flammen stehen?" bis heute Gültigkeit hat, stellt die Künstlerin in der Schau mit den "Gärtnern von Guantánamo" unter Beweis. Mit Granatapfelsaft auf Papier erzählt sie die Geschichte der Gefangenen, die mit Suppenlöffeln das Erdreich beackern, in das sie die Zitronenkerne oder Paprikasamen aus ihrem Essen pflanzen.

Dass dabei die Grundbedürfnisbefriedigung wohl eher nachrangig ist, thematisiert Cornelia Schmidt-Bleek mit einer bepflanzten Plexiglaspyramide.

Sie bezieht sich damit auf die Maslow'sche Bedürfnispyramide, welche die menschlichen Bedürfnisse in hierarchischer Gliederung beschreibt.

In der Ausstellung steht das längst als "Quatsch" entlarvte Modell auf dem Kopf, um so zumindest als ebenso schmuckes wie praktische Regal für hängende Kakteenpflanzen zu dienen.

Das Lächeln, das die Installation dem Besucher entlockt, wiederholt sich dann weiter hinten im dritten Raum. In der Diainstallation, die ebenfalls auf einer Untersuchung von einem amerikanischen Psychologen basiert, beschäftigt sich die Künstlerin mit dem "Duchenne Smile", dem "wahren" oder inneren Lächeln. Hervorgerufen wurde es von dem Forscher mit einem Blumenstrauß, der den Probanden überreicht wurde.

Cornelia Schmidt-Bleek distanziert sich insofern ironisch von dem zweifelhaften, aber durchaus harmlosen Experiment, als dass sie die "Duchenne Smile"-spezifischen Zuckungen der Lachmuskeln auf dem Bild eines Affen skizziert, der dann selbst den Diaprojektor zu einem schiefen Lachen animiert. (cb/ DER STANDARD, Printausgabe, 5.4.2007)

Cornelia Schmidt-Bleek:
"Send a package of seeds to the gardeners"
Galerie Hohenlohe
Bäckerstraße 3, 1010 Wien
  • Artikelbild
    foto: galerie hohenlohe
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