Das Gucken des Schweins

5. Juli 2007, 16:01
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Der SV Mattersburg zieht dank eines 3:2 gegen RB Salzburg ins Cupfinale ein - Die Erfolge der Burgenländer passieren quasi im Windschatten der medialen Aufmerksamkeit

Mattersburg - Eine Gans mit artistischen Ambitionen hat ihren Kopf in einen knöchelhohen Schnürschuh gesteckt, ist so auf einen kleinen Hügel marschiert und hat sich dort elegant auf den Kopf gestellt, wobei sie sich, verzweifelt ob des allgemeinen Desinteresses, sagte: "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein." So - wie auf der Zeichnung des deutschen Satirikers Friedrich K. Waechter - kommen sich zurzeit die Fußballer des SV Mattersburg vor. Mag sein, das ist der Grund, warum am gestrigen Mittwoch - Dietmar Kühbauer feierte seinen 36. Geburtstag - im Burgenland nicht nur Freude herrschte über das 3:2 im Cuphalbfinale gegen Salzburg. Sondern Genugtuung.

"Wir sind Zweite in der Liga mit sechs Punkten Vorsprung, waren im Vorjahr im Cupfinale, haben im Europacup eine gute Figur gemacht. Aber geredet wird nur über die Grazer Klubs und die Krise der Wiener Vereine." Im Grunde könnte das dem SVM-Coach Franz Lederer egal sein, der Windschatten der medialen Aufmerksamkeit ist ja kein schlechter Platz, um überraschend zuzuschlagen. Aber: "Der Mannschaft, den Spielern wird so der Respekt versagt."Und das mag Franz Lederer gar nicht. Seit Dienstagabend erst recht. Denn der Dienstagabend war für Franz Lederer nicht nur eine Überraschung, sondern vor allem eine Bestätigung. "Wir spielen guten Fußball." Jammern übers Niveau mögen andere.

Mobilisierter Glaube

Tatsächlich hat das 3:2 der Mattersburger, die sich nach 0:2 in die Verlängerung gespielt haben, ein anderes Schlaglicht auf den heimischen Fußball geworfen als die unzähligen Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Wie schon am Samstag gegen Rapid sind die Bullen - die Startruppe mit europäischen Ambitionen - auf jene Gegenwehr gestoßen, die allein imstande wäre, die Salzburger Spielstärke zu erhöhen.

Es war eine hochklassige Partie, nicht nur deshalb, weil der Außenseiter ein 0:2 noch umgedreht hat. Die Mattersburger haben - und das eben ist die Klasse - den Glauben an sich und den an die verbleibende Zeit mobilisiert. Kapitän Kühbauer sagt das so: "Ein alter Spruch hat sich wieder bewahrheitet: Man muss das Spiel so lange spielen, bis der Schiedsrichter abpfeift." Dass dazwischen eine Kühbauer'sche Kabinenpredigt lag, in der die erbärmliche erste Halbzeit analysiert wurde, sei, so Lederer, nichts Außergewöhnliches. "Das ist immer so. Die Spieler lassen Dampf ab, dann komme ich und sage, wie's weitergehen soll."

Diesmal ging's so weiter, dass Franz Lederer den Giovanni Trapattoni mit einem vordergründig Trapattoni'schen Schmäh packte. In der 59. Minute und beim Stand von 0:2 brachte er für Stürmer Carsten Jancker Verteidiger Adnan Mravac, als wollte er das Resultat halten. Tatsächlich wurde Mattersburg offensiver. ORF-Chefanalytiker Herbert Prohaska "hätte das nicht getan, aber es war richtig, man lernt nie aus". (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 5. April 2007)

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    Mattersburger auf der Siegerstraße.

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