Kurseinbruch an der Nasdaq

28. Juli 2000, 23:10

Nasdaq Composite Index verlor am Freitag fast fünf Prozent - Technologiewerte in der Krise

KOMMENTAR
Vater der New Economy
Selbst der Kollaps von Amazon würde die Leistung von Jeff Bezos nicht schmälern. Von Eric Frey

New York/Helsinki/Wien - Die US-Wachstumsbörse Nasdaq musste zum Wochenschluss herbe Verluste hinnehmen. Der Nasdaq Composite Index ermäßigte sich um 179,23 Einheiten oder 4,66 Prozent auf 3.663,00 Stellen ein. Das Tagestief erreichte der Nasdaq Composite knapp vor Schluss, das einem Verlust von 5,2 Prozent entsprochen hätte, worauf wieder Käufe einsetzten und der Index sich wieder etwas erholen konnte.

Neben den teils kräftigen Verlusten der Technologietitel nach Gewinnwarnungen am Donnerstag lag den Anlegern auch die Aussicht auf eine mögliche Zinsanhebung der US-Notenbank im Magen, sagten Teilnehmer. Das höher als erwartet ausgefallene US-Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal trübte die Hoffnung, dass die Federal Reserve bei ihrer nächsten Sitzung im August von einem weiteren Zinsschritt Abstand nehmen wird.

Intel gingen mit einem Abschlag von 5,8 Prozent aus dem Markt. Überdurchschnittliche Verluste unter den Standardwerten mussten auch JDS Uniphase (minus 9,6 Prozent), Yahoo! (minus 8,9 Prozent), Qualcomm (minus 4,8 Prozent) und Cisco Systems (minus 7,6 Prozent) hinnehmen. Auch der Kurs von Amazon.com fiel, nach einem rekordverdächtigen Verlust von 17,5 Proeznt am Vortag, neuerlich und ermäßigte sich von 1 - 1/4 Dollar auf 30-1/8 Dollar.

Gewinnwarnung

Schon am Donnerstag löste eine Gewinnwarnung des finnischen Telekom-Riesen Nokia Auslöser die Flucht der Anleger aus dem Technologiebereich aus. Die Folge: Die Aktie des Unternehmens fiel in Helsinki mit einem Minus von 21 Prozent. In New York musste Nokia noch mehr Federn lassen, minus 25 Prozent. Durch die Verkaufswelle schmälerte sich der Börsenwert des führenden Funktelefonherstellers um 56,9 Mrd. Euro (fast 783 Mrd. S). Auch die US-Konkurrenten Motorola oder Texas Instruments kamen unter Druck. Aber unter der unerwarteten Gewinnwarnung des finnischen Konzerns litt der gesamte Technologiesektor, besonders die Halbleiterbranche. Am Freitag nützten in Europa einige Investoren den Einbruch zur Schnäppchenjagd, Nokia konnte sich leicht erholen.

Als ob dies nicht schon genug Hiobsbotschaften gewesen wären: Auch der US-Onlinehändler Amazon hat die Händler mit enttäuschenden Zahlen geschockt. Nun machen sich viele Investoren Sorgen, ob der Internethandelsriese, der im zweiten Quartal einen deutlich höheren Verlust hinnehmen musste als im Vergleichsquartal 1999, in absehbarer Zeit in die Gewinnzone kommen kann. Die Amazon-Aktien fielen daraufhin am Donnerstag um über 17 Prozent auf ein neues Jahrestief.

Positionsaufbau

Die Bank Austria rät in der Schwächephasen zum Positionsaufbau in Technologiewerten: "Wir würden zwar mit Neuengagements eventuell noch eine Stabilisierung abwarten, sind aber prinzipiell der Meinung, dass Schwächephasen zum Aufbau von Qualitätswerten genutzt werden sollten". Damit will die Expertin Anleger offenbar über entstandene Verluste trösten.

Nach der Kurserholung um 17 Prozent im Juni konzentrierten sich die Anleger jetzt wieder auf die Schattenseiten der Technologiebranche. Befürchtet werde, eine Verlangsamung des US-Wachstums könnte zu einer Abkühlung der Gewinndynamik führen. Obwohl die Ergebnisse für das zweite Quartal in den USA bis jetzt besser als erwartet ausgefallen seien, würden die Schätzungen für das Gewinnwachstum im dritten und vierten Quartal revidiert. (red)

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