"Einmal Eierkren ohne Kren?"

26. Juli 2007, 12:58
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Völlern zu Ostern: Die Krenwurzel reißt uns ernährungsmedizinisch wieder heraus, meint Christian Matthai in seiner Kolumne

Schinken, Würstel, Eier und davon reichlich: Auf die in meiner Familie traditionell servierte Kärntner Osterjause freue ich mich jedes Jahr schon zu Beginn der Fastenzeit. Sollten Sie schon einmal in den Genuss einer original Kärntner Osterjause gekommen sein, werden Sie die Gaumenfreuden von saftigem Schinken, Kärntner Reindling, harten Würsteln, Osterpinze und Co gut nachvollziehen können. Wenn auch die Kombination von süßem Kärntner Reindling mit salzigem Schinken für einen Nichtkärntner anfangs wohl gewöhnungsbedürftig sind.

Auf den Kren gekommen

Als eingefleischter Ernährungsmediziner denkt man immer an den gesundheitlichen Wert einer Mahlzeit. Die Gesundheit wird bei dieser Variante wohl eher zu kurz kommen, was aber nicht weiter tragisch ist, weil wir die Osterjause ja auch nur einmal im Jahr essen. Doch Moment, da ist doch etwas, das uns unter Umständen rausreißen könnte? Meine Schwester bat als kleines Kind meine Mutter immer um "Eierkren ohne Kren".

Alles klar, Eierkren ohne Kren

Warum meine Schwester den sehr scharfen Geschmack des Krens nicht mochte, können mit Sicherheit alle Kinder und auch viele Erwachsene nachvollziehen. Was ich mich schon öfter gefragt habe: "Warum brennt der Kren so durch die Nase und wird auf eine ganz andere Art und Weise scharf empfunden als die Schärfe von Chili?"

Ist er zu stark, bist du zu schwach

Die Antwort liegt in den ätherischen Ölen, die beim Reiben der Krenwurzel entstehen und vom Rachen in die Nase aufsteigen. Da sich diese Öle mit der Zeit verflüchtigen, hat man den 'Burneffekt' auch nur, wenn man den Kren ganz frisch, unmittelbar nach dem Reiben, verzehrt. Wer dies also nicht mag, sollte tunlichst etwas Zeit zwischen dem Aufreiben der Wurzel und dem Verzehr vergehen lassen.

Der Kren, bei unseren deutschen Nachbarn auch als Meerrettich bekannt, gehört zu der Familie der Kreuzblütengewächse. Verwendet wird die Wurzel. Glukosinolate heißt die Gruppe der scharfen Aromastoffe, die beim Zerkleinern entstehen und so manchem starken Mann die Tränen in die Augen treiben.

Vitamine und Infektionsschutz

Allylisothiocyanat (AIT) ist der Inhaltsstoff, der beim Reiben der Krenwurzel entsteht und wissenschaftlich sehr gut untersucht ist. Man hat herausgefunden, dass AIT dem Wachstum von Bakterien und Pilzen entgegenwirkt und so vor Infektionskrankheiten schützen kann. Zusätzlich haben in vitro Untersuchungen gezeigt, dass Kren Enzyme enthält, die über potente antioxidative Fähigkeiten verfügen und somit eine gesundheitsfördernde Wirkung aufweisen. Neben Enzymen enthält Kren eine Vielzahl an wertvollen Vitaminen, mit einem besonders hohen Vitamin C Anteil und einigen Spurenelementen.

Im gesündesten Fall: 'Kren natur'

Nicht umsonst findet die Krenwurzel seit vielen Jahrhunderten als Heilmittel bei Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, grippalen Infekten, Harnwegsinfekten, lokal bei Gelenksschmerzen, niedrigem Blutdruck und Husten ihre Anwendung. In der Küche findet man die gesunde Wurzel in den verschiedensten Varianten. Ob als Oberskren, Apfelkren, in der gesündesten Variante als 'Kren natur', als Kren mit Preiselbeerschlagobers, Semmelkren oder Eierkren genossen – er ist und bleibt die gesunde Komponente der Kärntner Osterjause. Mahlzeit! Ach ja, Eierpecken nicht vergessen.

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