Porträt: Doyen der heimischen Wirtschaft

26. Juli 2007, 20:02
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Leopold Böhm war Schöps-Gründer, Immobilien-Tycoon und Austria-Förderer

Wien - Mit Leopold Böhm ist zweifelsohne ein Doyen des österreichischen Wirtschaftslebens gestorben. Der ehemalige Schöps-Eigentümer und Austria-Förderer galt als einer der reichsten Österreicher und hat sich zuletzt seinen Immobilienprojekten gewidmet. Aus der Öffentlichkeit hat sich der Industrielle praktisch völlig zurückgezogen. Böhm starb in der Nacht auf Mittwoch nach langer, schwerer Krankheit im 86. Lebensjahr in Wien im Kreise seiner Familie.

Flucht vor Nazis

Leopold Böhm wurde 1922 in Wien geboren. 1938 musste er im Alter von 15 Jahren vor der Nazi-Herrschaft aus Österreich flüchten, seine Eltern hat er im Lauf der Shoah verloren. Ab 1940 hat der engagierte Antifaschist in der britischen Armee gegen die Besatzer seiner Heimat gekämpft. Nach dem Krieg arbeitete Leopold Böhm bei einer Ölfirma in Haifa, Israel.

1952 kehrte Böhm auf der Suche nach seinen Eltern nach Wien zurück und arbeitete zunächst als Dolmetscher für die Tageszeitung "Kurier". 1953 trat er in das damals noch kleine Handelsunternehmen seines Onkels Richard Schöps ein, um es ein Jahr später zu übernehmen. Innerhalb weniger Jahre formte Böhm aus der Textilfirma am Wiener Salzgries ein Textil-Imperium mit Filialen in ganz Österreich.

Konkurrenz aus dem Ausland

1989 verkaufte der erfolgreiche Geschäftsmann Böhm das Handelsunternehmen, das damals einen Umsatz von 1,4 Mrd. S (101,7 Mio. Euro) machte, an die britische Investmentbank J. Henry Schroeders - zu einem Zeitpunkt, als noch niemand auch nur ahnte, dass ausländische Modeketten wie H&M oder Peek & Cloppenburg massiv nach Österreich expandieren wollten.

Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren und einer Reihe von verschiedenen Besitzern wechselte die österreichische Traditionsmarke Schöps erst vor zwei Tagen erneut den Besitzer, als die deutsche Beteiligungsfirma Arques 51 Prozent übernahm.

Das wirklich große Geld machte Böhm allerdings mit Immobilien. Sein erstes Projekt datiert aus dem Jahr 1978, als er das Modegroßhandelscenter (MGC) in Wien-St. Marx errichten ließ. Groß ins Geschäft ist er aber erst nach dem Schöps-Verkauf eingestiegen. Branchenkenner schätzen seinen Besitz auf 30 bis 40 Immobilien. Böhm war dafür bekannt, Immobiliengeschäfte sehr diskret zu behandeln und niemals persönlich in Erscheinung zu treten.

Vertrauensmann in Sachen Immobilien war für Böhm Ariel Muzicant. Einer der letzten großen Deals dürfte der Verkauf des Wiener Hotels Crown Plaza an die spanische NH-Gruppe gewesen sein.

Präsident der Austria

Neben Immobilien - und Lachsfischen - gehörte Böhms Herz der Wiener Austria. Von 1973 bis 1977 war er auch deren Präsident. Zuletzt war Böhm beim Traditionsklub aus Favoriten bis 1995 als Vizepräsident und Vorstandsmitglied aktiv. Als "mein zweiter Vater" bezeichnete Austria-Legende Herbert Prohaska den langjährigen Austria-Föderer. Mit ihm verband ihn bis zu seinem Tod eine Freundschaft. Für das derzeit in Bau befindliche neue Zentrum des jüdischen Sportvereins Hakoah im Wiener Prater steuerte Böhm, wie der derzeitige Austria-Präsident Frank Stronach, ebenfalls Sponsorengelder bei.

Ehefrau als Entführungsopfer

Einen Schicksalsschlag erlebte die Familie Böhm 1977, als Leopold Böhms Frau entführt wurde. Etwa einen Monat nach der Entführung von Walter Michael Palmers wurde Lieselotte Böhm am 12. Dezember 1977 gekidnappt. Offiziell ließen die Exekutive und der Industrielle Böhm verlauten, es gebe kein Lebenszeichen von der damals 42-Jährigen. Leopold Böhm kündigte gegenüber der Öffentlichkeit sogar die Zusammenarbeit mit der Exekutive auf und erklärte, seine Frau auf eigene Faust freibekommen zu wollen.

Vier Tage tat sich scheinbar nichts, als am 16. Dezember Bewegung in den Fall kam. In zwei Tageszeitungen wurden Inserate geschaltet, deren Text auch in der "Zeit im Bild 1" des ORF ausgestrahlt wurde: "Firma Schilling kauft heute 21 M.", hieß es darin. Die Vermutung, dass es sich dabei um die Nachricht einer Geldübergabe von 21 Mio. S (heute 1,53 Mio. Euro) handelte, machte die Runde.

In den Morgenstunden des 17. Dezember 1977 kehrte Lotte Böhm tatsächlich in die Villa in Döbling zurück. Ihre Kidnapper hatten sie nach der Übergabe von 21 Mio. S freigelassen. Nach anderen Quellen waren es gar 27 Mio. Euro. Eine Großfahndung der Polizei lief an, die Täter gingen den Beamten zunächst jedoch durch die Lappen. Erst 1978 gingen die Entführer ins Netz der Exekutive. Es handelte sich um die so genannte MP-Bande. (APA)

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