Kalter Krieg im All: Russland will GPS-Vormacht brechen

13. April 2007, 10:43
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Satellitenflotte für Navigationssystem Glonass startet Ende 2007

Noch in diesem Jahr will Russland mit seinem Global Navigation Satellite System (Glonass) den Angriff auf die Vormachtstellung der US-Konkurrenz Global Positioning System (GPS) starten. Ende 2007 sollen acht Navigationssatelliten ins All gesendet werden, berichtet die New York Times (NYT) unter Berufung auf russische Behörden. Das System werde zunächst Russland sowie Teile Europas und Asiens abdecken. Bis 2009 ist die globale Abdeckung geplant. Neben Russland schielen auch China und Europa auf den lukrativen sowie sicherheitspolitisch wichtigen Markt, der derzeit noch von GPS dominiert wird.

Baidu und Galileo

Während China allerdings bereits erste Satelliten für sein Konkurrenzsystem Baidu im All hat, ist um das Prestigeprojekt der Europäische Union, das Satellitensystem Galileo, heftiger Streit entbrannt. Streitereien der einzelnen Mitgliedstaaten sowie schleppende Verhandlungen über die Galileo-Konzession durch das Industriekonsortium haben für Verzögerungen bei der Einführung des Satellitensystems gesorgt. Ursprünglich für 2008 geplant, wurde der Start mittlerweile auf 2011 verschoben.

Lukrativer Markt

Eigentlich für militärische Zwecke entwickelt, hat sich die Satellitennavigation in den vergangenen Jahren auch zu einem lukrativen Verbrauchermarkt gemausert. Nach Berechnungen des Washingtoner GPS Industry Council wurden 2006 weltweit Navigations-Geräte im Wert von 15 Mrd. Dollar verkauft. Der Markt soll in den kommenden Jahren um jährlich 25 bis 30 Prozent ansteigen. In Deutschland feuert derzeit ein Preissturz die Nachfrage nach mobilen Navi-Systemen an. Dem Branchenverband BITKOM zufolge sollen 2007 erstmals mehr als drei Mio. der mobilen Reisebegleiter verkauft werden. Der Umsatz klettert laut den Prognosen auf knapp eine Mrd. Euro.

Landwirtschaft oder dem Bankensektor

Die Satellitennavigation dürfte in Zukunft aber auch in Bereichen wie der Landwirtschaft oder dem Bankensektor eine zunehmende Rolle spielen. Hinter dem Kampf um die Kontrolle auf dem Satellitenmarkt stehen nicht zuletzt sicherheitspolitische Erwägungen, schreibt die NYT. Befürchtet wird, dass die USA ihr derzeitiges Monopol im Krisenfall missbrauchen und Signale punktuell einfach unterdrücken könnten. "In einigen Jahren wird das Wirtschaftsleben ohne Navigationssignale nicht mehr vorstellbar sein", beschreibt Andrej G. Jonin, Raumfahrtspezialist am russischen Center for the Analysis of Strategies and Technologies, die zukünftige Bedeutung. Alles was sich bewegt - seien es Flugzeuge, Züge, Menschen oder Nutztiere - werde dann entsprechende Signale nutzen, so der Experte in der NYT. (pte)

  • New York Times über den neuen Wettlauf im All

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