Fahrrad-Boom durch Frühlingswetter

31. Juli 2007, 20:54
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Dem Stau und Parkplatzmangel entkommen - Radlerlobby: Machbar wären 15 Prozent Radfahrer - Voraussetzung: Flächendeckende Radstreifen

Wien - Nach dem milden Winter, der Wien Rekordwerte beim Radverkehr verschafft hat, sorgt nun der Frühling für klingende Kassen bei den Fahrradhändlern. Gerade Stadträder für die täglichen Fahrten verkaufen sich überdurchschnittlich gut. Dass derzeit auch die Parkschein-Preise und Öffi-Tarife steigen, dürfte damit nur wenig zu tun haben.

"Ich kann mich nicht beklagen", sagte Fritz Aichinger, Sportartikel-Händler, Handelsobmann der Wiener Wirtschaftskammer und ÖVP-Gemeinderat: "Wir verkaufen Räder heuer schon seit Februar sehr gut." Um ein gutes Drittel liege man über den üblichen Werten für diese Jahreszeit, und beim Fahrradservice gebe es einen regelrechten Rückstau.

Stau und Parkplatzmangel entkommen

Gefragt seien bei ihm vor allem Stadtfahrräder, so Aichinger. Dass gerade jetzt so viele Räder gekauft würden, habe wohl vor allem mit dem Wetter zu tun, meinte er. Wegen teurerer Park- oder Fahrscheine steige kaum jemand aufs Fahrrad um. Da gehe es schon eher um Staus und den Parkplatzmangel in der Stadt: "Es sind eher die Umstände als die Preise", so der ÖVP-Politiker.

"Geschäft voll"

Gestresst gab man sich bei der "Cooperative Fahrrad", ein auf hochwertige Alltagsgeräte spezialisiertes Geschäft in Wien-Mariahilf. "Ja, es werden mehr Räder verkauft. Das merkt man daran, dass das Geschäft voll ist", meinte ein Verkäufer. Räder für den Alltag gingen auch bei ihnen besser denn je, und auch Falträder - die aufgerüsteten Nachfolger der Klappräder der siebziger Jahre - seien sehr gefragt.

Anteil am Gesamtverkehr: Sechs Prozent

Nach Angaben der Stadt werden in Wien immer mehr Wege mit den Rad zurückgelegt. Der Anteil am Gesamtverkehr soll nach jahrelangem Dahindümpeln zwischen drei und vier Prozent inzwischen bei sechs Prozent liegen, und bis 2010 will man einen Radverkehrsanteil von acht Prozent schaffen. Zählt man alles zusammen, kommt Wien auf 1.056 Kilometer an Radverkehrsanlagen. Heuer sollen 30 Kilometer dazu kommen, was der Stadt sechs Mio. Euro Wert ist.

Bei der Radlerlobby Argus will man der Euphorie nicht ganz trauen. "Ja, es ist mehr geworden, aber vor allem in den inneren Bezirken", meinte Evelyne Doppel. Aktuelle Verkaufszahlen kenne sie nicht, aber der große Boom beim Fahrradverkauf habe doch eher schon in den neunziger Jahren stattgefunden.

Argus: Radverkehrsanteil von 15 Prozent

Machbar wäre in Wien ein Radverkehrsanteil von 15 Prozent, doch dafür brauche man flächendeckend Radstreifen in den Hauptverkehrsstraßen. "Derzeit kann man von Anfängern nicht verlangen, dass sie dort fahren", so Doppel. Immerhin sei die Aggressionen gegenüber den Radlern nicht mehr so groß wie früher: "Je mehr Radler unterwegs sind, desto mehr gewöhnen sich die Autofahrer daran." (APA)

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    "Je mehr Radler unterwegs sind, desto mehr gewöhnen sich die Autofahrer daran." Laut Argus gibt es weniger Aggressionen gegenüber den Radlern.

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