"Straßenmusik ist ein Geschenk"

Soziale und kulturelle Initiativen bereiten sich auf den "F13"-Aktionstag vor

Wien – "Anfang der 1990-er Jahre war die Konkurrenz auf der Kärntner Straße enorm – eine Gruppe spielte besser als die andere", erzählt der Akkordeonist Krzysztof Dobrek, der seine Karriere als Straßenmusiker begann und sechs Jahre lang die Pflaster europäischer Städte bespielte.

"Es tut mir leid, dass es diese Zuhörer nicht mehr gibt, die extra gekommen sind, um ein Streichquartett aus Spanien oder eine Jazz-Combo zu hören", bedauert Dobrek, dass Straßenmusikanten heute eher als Lärmbelästigung denn als Kunst wahrgenommen werden. "Straßenmusik war zuerst ein Geschenk, und nur wer dafür Verständnis hatte, hat zugehört oder gar etwas zurückgegeben", pflichtet der Musiker Walther Soyka bei, der bereits 1979 sein Können am Pflaster zum Besten gab.

Neue Regeln gefordert

Gemeinsam mit Friedl Preisl, dem Intendanten des Akkordeonfestivals und Vertretern der Obdachlosenzeitung Augustin sprach er sich am Dienstag für eine Abschaffung oder Neuregelung der Straßenkunstverordnung aus, die genau regelt, an welchen Orten und zu welchen Zeiten künstlerische Darbietungen erlaubt sind. Für elf Zonen – vor allem in der Innenstadt – sind zudem kostenpflichtige Platzkarten nötig, mit der jeweils für ein Monat die Plätze und Zeiten zugeteilt werden – was Auftritte durchziehender Künstler erschweren würde, wie Dobrek meint. Proklamiert wird die Forderung nach "Freiheit für die Straßenmusik" anlässlich des "F13"-Aktionstages, der am Freitag, dem 13. April, zum neunten Mal als "Glückstag" für sozial benachteiligte Gruppen gefeiert wird. Mit karnevalesken Aktionen wird etwa für Gratis-Fahrscheine in den Öffis für Obdachlose, Sozialhilfe_bezieher und Asylwerber demonstriert und unter dem Motto "Bankraub" der Schwund von Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum kritisiert. Als Reaktion auf die Anti-Bettler-Durchsagen der Wiener Linien werden Akkordeonisten auch im U-Bahnnetz aufspielen.

Ein striktes Musizierverbot im U-Bahn-Bereich mache Sinn, heißt es vonseiten der Wiener Linien, auch die Wiener Stadtverwaltung sieht keinen Änderungsbedarf. Rund 40 Künstler pro Monat erhalten eine Platzkarte, die Zonen für zirka zehn zweistündige Auftritte werden per Computer verteilt. Auch wenn es viele Beschwerden von der City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (VP) gebe – laut Polizei gibt es "im Großen und Ganzen kein Problem". (kri, DER STANDARD print, 4.4.2007)

Link
F13
Share if you care