Nachts, wenn es heller wird

3. April 2007, 20:09
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In Graz wird ein österreichischer Satellit gebaut, der die Helligkeitsschwankungen der Sterne dokumentieren soll

Wer bei sternenklarer Nacht verzückt in Richtung Himmel schaut, wird es bestätigen können: Nicht alle Sterne leuchten gleich hell, jeder einzelne verändert seine Helligkeit. Manchmal stark, meist nur gering, wenn zum Beispiel die Leuchtkraft am Ende eines Sternenlebens zunimmt. All das ist nicht nur subjektiv erlebbar, sondern wissenschaftlich detailreich analysierbar. Ein österreichisch-kanadischer Satellit soll nun Helligkeitsschwankungen von Sternen dokumentieren und damit Rückschlüsse auf die Entstehung des Universums möglich machen.

Otto Koudelka, Leiter des Instituts für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation an der Technischen Universität Graz, baut diesen ersten heimischen Satelliten.

Dieser heißt TUGSAT-1 und ist erstaunlich winzig: Das würfelförmige Stück hat nur zwanzig Zentimeter Kantenlänge - wird aber allerhand viel Gepäck auf seiner Reise mit sich schleppen: unter anderem drei Minicomputer (jeweils einen für die Lageregelung, für das Senden und Empfangen von Daten und für das wissenschaftliche Experiment) und eine Sternenkamera. Sie soll in der voraussichtlich 2008 startenden, zwei Jahre dauernden Mission massereiche Sterne untersuchen.

Die Mission mit dem Namen "BRITE Austria", an der neben der TU Graz auch die Universität Wien und die TU Wien sowie das Spaceflight Lab der Universität Toronto in Kanada beteiligt sind, wird mit einer Trägerrakete starten, die selbstverständlich mehrere Satelliten an Bord hat -"da es logischerweise zu teuer wäre, für so einen kleinen Satelliten eine eigene Rakete zu starten", sagt Koudelka.

Erfahrungen sammeln

Der Satellit TUGSAT-1 (steht für "erster Technische-Universität-Graz-Satellit") wird natürlich nicht nur aus purem astronomischen Forscherdrang in den Weltraum geschickt. Beim bisher mit 450.000 Euro vom nationalen und von der FFG koordinierten Weltraumforschungsprogramm und mit 50.000 von der TU Graz unterstützten Projekt will man auch Erfahrungen im Bau und im Betrieb von Satelliten, aber auch im Management von Weltraumprojekten gewinnen, meint Koudelka im Gespräch mit dem Standard. Neben dem Wunsch, über die physikalische Evolution besser Bescheid zu wissen, stehe also auch ein "anwendungsorientierter technologischer Aspekt" im Vordergrund - daher auch das Fördergeld der FFG.

Der Satellit, der nicht nur klein, sondern auch ein Fliegengewicht (sechs Kilo) ist, wird auch thermische Kontrollsysteme enthalten. Betrieben wird er mit Solarzellen. Eine Batterie soll dafür sorgen, dass er auch dann nicht ausfällt, wenn er in den Schatten der Sonne kommt und dann nicht von Sonnenenergie gespeist wird.

Der kleine Weltraumbesucher soll schließlich auch mit einer Dreiachsenstabilisierung wesentlich genauer positioniert werden können als vergleichbare Flugkörper, die derzeit im All unterwegs sind. Die Bodenstation für die Überwachung der Mission wird in Graz, die Empfangsstationen für Daten werden laut Plan in Graz, Wien, aber auch in Toronto stehen.

Koudelka will mit dem Bau des Satelliten wirklich hoch hinaus: Eine Plattform schwebt ihm vor, um auch in Zukunft auf Basis neuester Erkenntnisse und technologischer Entwicklungen so genannte Nanosatelliten bauen zu können. Weitere Miniaturisierungen von Computertechnologien werden ihm die Arbeit mit Sicherheit erleichtern. (DER STANDARD, Printausgabe, 4. April 2007)

  • Der TUGSAT-1 ist ein Winzling und wiegt auch nur sechs Kilo: Er schleppt aber drei Minicomputer und eine Sternenkamera mit. Die Miniaturisierung macht es möglich.
    foto: der standard/tu graz

    Der TUGSAT-1 ist ein Winzling und wiegt auch nur sechs Kilo: Er schleppt aber drei Minicomputer und eine Sternenkamera mit. Die Miniaturisierung macht es möglich.

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