Zeuge gegen Zeuge im Herberstein-Krimi

11. April 2007, 17:05
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Im Skandal um den Tierpark Herberstein liegt die Anklageschrift vor. Der Prozess könnte im Herbst starten - eine Analyse

Graz - Es ist einfach eine sexy Story. Die attraktive Gräfin mit ebensolchem Schloss genießt das Leben und die Ehrerbietungen der lokalen Politprominenz. Aus dem Subventionshahn für den gräflichen Tierpark sprudelt's munter, die Vertreter aus der Grazer Burg, dem Sitz der Landesregierung, schätzen das Posieren vor der Lokalpresse mit der schönen Landadeligen.

Bis selbige Medien vor den Landtagswahlen 2005 die Idylle zerschlagen: Gräfin Andrea Herberstein wurde zum Wahlkampfthema, der "Herberstein-Skandal" war geboren, der jetzt - mehr als eineinhalb Jahre später - in einer Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graz zusammengefasst ist. Fünf Millionen Euro Schaden soll Frau Herberstein mitverantworten. Eingeklagt werden schwerer Betrug, Steuerhinterziehung, Konkursverschleppung.

Selbstanzeige als Auslöser

Der ehemalige Gutsverwalter, Heinz Boxan, der mit der Familie Herberstein jahrelang familiär verbunden war, hatte die Causa mit einer Selbstanzeige ins Rollen gebracht. Über die Motive dieses Schrittes kursieren wilde und romantische Gerüchte. Die Staatsanwaltschaft hat bereits genug in der Hand: steuerliche Vergehen - die umgeschriebenen Rechnungen und Schwarzgelder wurden von den Beschuldigten bereits zugegeben.

Aber reicht das alles aus für einen schweren Betrug, den die Staatsanwaltschaft vorwirft? Was ist mit dem zentralen Vorwurf der Konkursverschleppung, dass nämlich der Tierpark eigentlich gesperrt hätte werden müssen und nur durch Subventionen künstlich am Leben erhalten wurde? Gut 80 Zeugen und Beschuldigte wurden in der Causa von der Justiz einvernommen, an die 20 Herberstein-Mitarbeiter befragt, darunter neun ehemalige Buchhalter. Aber je mehr versucht wurde, Licht in die Sache zu bringen, desto dunkler und nebuloser erschien sie. Es steht Aussage gegen Aussage, Gutachter gegen Gutachter und die Finanzbehörden kommen zu anderen Ergebnisse als die Strafbehörden.

Die Staatsanwaltschaft spricht von einem Betrugsschaden im Ausmaß von fünf Millionen Euro durch umgeschriebene Rechnungen. Herberstein-Anwalt Peter Bartl sagt, es seien maximal "50.000 Euro Förderungen", die aufgrund von umgeschriebenen Rechnungen gewährt worden seien, davon rund 10.000 Euro aus "betrugsanhängigen" Rechnungen. Die Staatsanwaltschaft kommt auf eine höhere Summe, weil sie davon ausgeht, dass überhaupt keine Förderungen gezahlt worden wären, wenn die Politik von den umgeschrieben Rechnungen gewusst hätte.

Spätestens hier wird die Sache verworren, weil politisch. Herberstein argumentiert, die steirischen Landespolitiker hätten in die Hand versprochen, den Tierpark mit einer größeren Summe zu fördern. Aufgrund dieser Zusage habe man investiert, sonst wäre der Zoo geschlossen worden. Nach Jahren politischer Diskussion hatte sich das Land auf eine stille Beteiligung von 2,9 Millionen Euro geeinigt: Mit dieser Summe seien die Investitionen im Nachhinein kofinanziert worden, argumentiert Herberstein.

Frage des Konkurses

Die Staatsanwaltschaft meint, da der Zoo-Betrieb nur mit Subventionen erhaltbar gewesen sei, war ein drohender Konkurs verschleppt worden. Stimmt nicht, entgegnet Herberstein: Das Unternehmen sei in keiner Phase insolvenzgefährdet gewesen. Es habe genug Vermögen der Familie gegeben.

Herberstein kann auch die Aussage eines Bankdirektors aus dem Verhör vor den Justizbeamten vom November 2006 vorlegen, in der dieser zu Protokoll gibt: "Wir wären bereit gewesen, Liquiditätsengpässe zu überbrücken und (...) die Kosten der Schließung zwischenzufinanzieren."

Dass der Konkursvorwurf im Raum steht, hat sich die Familie Herberstein auch selbst zuzuschreiben. Sie warnte immer - wegen Geldmangels - vor einem Zusperren des Zoos, sollte das Land nicht zahlen. Wohl wissend, dass keiner der steirischen Politiker die Verantwortung übernommen hätte, den oststeirischen Leitbetrieb zu sperren. Beim zu erwartenden Herberstein-Prozess, womöglich im Herbst, werden jedenfalls nicht nur mögliche Machenschaften des Hauses Herberstein und dessen ehemaligen Verwalters behandelt, sondern wird indirekt auch die Politik vor Gericht stehen. (Walter Müller, DER STANDARD print, 4.4.2007)

  • Schloss Herberstein: Trotz fertiger Anklageschrift bleibt auch die Frage, wie viel Landessubventionen im Tierpark versickert sind, im Verborgenen
    foto: cremer

    Schloss Herberstein: Trotz fertiger Anklageschrift bleibt auch die Frage, wie viel Landessubventionen im Tierpark versickert sind, im Verborgenen

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