Geistesblitz: Wider die fade Wissenschaft

3. April 2007, 19:53
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Die Pädagogin und Wissenschafts- Vermittlerin Suzanne Kapelari erforscht und praktiziert Bio-Fachdidaktik

"Das Interesse an Wissenschaft muss man nicht wecken, sondern früh genug am brennen halten." So lautet das Credo von Suzanne Kapelari, Pädagogin und Wissenschaftsvermittlerin an der Universität Innsbruck. Lernen sei ein Grundbedürfnis. Und Kinder deshalb Naturforscher, Künstler, Geschichtenerzähler, Sportler, Sammler, Denker und Beobachter in einem. Diese Fähigkeiten fördert sie seit Sommer 2000 mit dem Programm der "Grünen Schule" im Botanischen Garten Innsbruck. Seit Oktober 2005 betreibt sie halbtags neben der klassischen Wissenschaftskommunikation auch fachdidaktische Forschung, etwa im EU-Projekt Plant Science Gardens.

Die Mutter riet ihr zu Pharmazie, doch bald sattelte Suzanne Kapelari auf Biologie an der Uni Innsbruck um. Nach zwei verregneten Freiland-Ferialpraktika bei einem schwedischen Pflanzenzüchter war bei ihr die Lust auf Outdoor aber bald wieder verflogen. Mit großem Interesse stürzte sie sich auf Zellbiologie und Biochemie, für die sie bis zur Dissertation einige Jahre im Labor stand. Heute ist sie viel lieber wieder draußen in der Natur.

Als ihre erste Tochter noch sehr klein war und viel schlief lernte sie für das Doktorat in Biologie. Das Lehramt für Biologie und Erdwissenschaften schloss sie bereits mit zwei Kindern ab. Als sie als freie Biologin für die Landesregierung Projekte abwickelte, hatte die Familie schon fünf Köpfe respektive sechs Köpfe. Neben der Grünen Schule arbeitete sie als Lehrerin und absolvierte ein Fernstudium. Mit lebenslangem Lernen kennt sich Suzanne Kapelari entsprechend gut aus.

Geboren in New York kam sie mit fünf Monaten nach Innsbruck und kehrte im Mai 2002 kurz in die USA zurück, um ihre Sponsion zum Fernstudium "Master of Arts in Education" am City College zu feiern. "Bei aller Liebe zu meinen Kindern brauche ich auch immer etwas für mein Gehirn", so Kapelari. Damals wie heute bedeutet das viele lange Nächte. Ihre zahllosen Ideen entwickeln sich meist aus der Situation heraus: "Ich kann mich für viele Dinge begeistern", sagt sie lapidar. Bei der Umsetzung der Jungen Uni Innsbruck 2002 hatte sie ebenfalls ihre Finger im Spiel.

Mit Kinder-Hilfe

Möglich ist das mit der Unterstützung durch ihren Mann und lange Zeit durch die ihrer Mutter sowie ihrer Schwester, die im Nachbarhaus wohnt: Insgesamt sieben Kinder ziehen sie gemeinsam und abwechselnd groß. Bei den didaktischen Projekten sind ihr die Kinder eine große Hilfe, "weil sie die Dinge formulieren oder mir ihre ganz individuelle Herangehensweise unbewusst zeigen". Ihre Erkenntnis daraus: "Vermittlungsarbeit ist am besten, wenn sie möglichst viele Zugänge ermöglicht."

Eine gute Wissenschaftsvermittlerin ist neugierig, denn es "gibt keine fade Wissenschaft. Begeisterung ist sicher der Motor, aber man braucht auch viel Sprit, um ihn am Laufen zu halten", so die fachdidaktische Forscherin, die auch gerne wieder in die Schule gehen möchte. Denn "die besten Arbeiten werden von Praktikern gemacht". Der Beruf sei sicher ihr größtes Hobby, weil sie täglich Neues entwickeln und lernen könne. Wenn sie nicht in Sachen Wissenschaft unterwegs ist, geht sie wandern oder auf Skitouren, trifft sich mit Freunden oder lädt zum Essen ein, liest oder werkt im eigenen Garten, der übrigens nur 500 Meter vom Botanischen entfernt ist. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 4. April 2007)

  • Wissenschaftsvermittlung als Hobby und Leidenschaft: 
Suzanne Kapelari.
    foto: der standard/privat

    Wissenschaftsvermittlung als Hobby und Leidenschaft: Suzanne Kapelari.

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