Ullrichs Blut ließ sich nicht verleugnen

2. Juli 2007, 11:07
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Ein DNA-Abgleich weist dem ehemaligen Radstar zweifelsfrei Kontakt zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes nach

Bonn/Wien - Der Plan des Vorarlberger Radteams Volksbank, Jan Ullrich als Berater zu engagieren und sich mit Hilfe des deutschen Ex-Superstars unter den besten Profimannschaften zu etablieren, ist seit Dienstag nur noch Makulatur. Ullrich steht nämlich mehr denn je unter dem Verdacht, seiner Karriere mittels Doping nachgeholfen zu haben.

Die bei der "Operacion Puerto" im Mai 2006 von den spanischen Behörden in Räumlichkeiten des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes sichergestellten und Ullrich zugeordneten Blutkonserven mit den Kennzeichnungen "Jan", "Nummer 1" oder "Rudis Sohn" stammen "zweifelsfrei" vom mittlerweile 33-jährigen, ehemaligen Tour-de-France-Sieger. Dies haben die Vergleiche mit einer von Ullrich abgegebenen DNA-Probe ergeben, wie der Bonner Staatsanwalt Friedrich Apostel am Dienstag sagte. In den Unterlagen werden unter den gleichen Codes Wachstumshormone, Insulin und Testosteron aufgelistet. Ein Mediziner des Landeskriminalamtes war am 26. März nach Spanien gereist, um das Ullrich zugerechnete Blut mit der DNA-Probe zu vergleichen, die der Wahlschweizer am 1. Februar in Konstanz abgegeben hatte.

Ullrich hat bisher jede Verbindung zu Fuentes und jede Manipulation bestritten. Er war am 26. Februar mit der Behauptung zurückgetreten, "nie betrogen" zu haben. Das Hamburger Amtsgericht untersagte dem Heidelberger Doping-Experten Werner Franke kurz zuvor die Behauptung, Ullrich habe für mindestens 35.000 Euro Dopingmittel von Fuentes bezogen.

Ullrichs Anwälte reagierten promt und wie erwartet. Anwalt Johann Schwenn verwies auf mögliche Manipulationen. "Die Verteidigung wird sich das Gutachten des Bundeskriminalamtes genau ansehen. Nach den Unregelmäßigkeiten im spanischen Verfahren und beim Weltradsportverband der UCI ist es gut möglich, dass der angebliche Befund die Folge von Manipulation ist." Kollege Peter-Michael Diestel assistierte: "Damit ist überhaupt nichts bewiesen." Ullrich sei oft Blut abgenommen worden, "außerdem waren wir nicht dabei, als die Proben verglichen wurden."

Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ullrich wegen Betruges zum Nachteil seines früheren Rennstalls T-Mobile sowie gegen seinen Betreuer Rudy Pevenage wegen Beihilfe und Verstoßes gegen Arzneimittelgesetze.

Team-Volksbank-Manager Thomas Kofler nahm zu den aktuellen Geschehnissen wie folgt Stellung: "Jan Ullrich hat seine Tätigkeit beim Team Volksbank bis dato nicht aufgenommen und wird dies auf Grund der aktuellen Entwicklung bis auf weiteres auch nicht tun. Sobald die Sache endgültig bereinigt ist, werden wir unsere nächsten Schritte bekannt geben." (sid, lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 4.4. 2007)

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    Jan Ullrich und die Konserven - der ehemalige deutsche Radstar hat beim spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes eindeutige Spuren hinterlassen.

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