Zeitungskrieg mit Dummdummgeschoß - Gerangel auf dem Boulevard

23. April 2007, 11:39
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"Österreich" hatte Story über die Mutter mit 66 mit einem Agenturbild einer kalifornischen Großmutter mit Kind illustriert

Die feine Klinge ist nicht die hervorstechendste Eigenschaft von Wolfgang Fellner, dem Herausgeber und Miteigentümer von Österreich. Die Zeitung sei kein Boulevardblatt, betonte er zuletzt mehrfach. "Dumm ... Dümmer ... Kronen-Zeitung" titelte er Dienstag auf Seite 3.

Was brachte den Neo-Zeitungsmacher in Rage und seine Dumdum-Geschoße auf den Weg? Krone-Kolumnist Michael Jeannée hatte seinen Lesern und Wolfgang Fellner schon in der Abendausgabe nach George Bernhard Shaw erklärt: "Verlogene Menschen sind ungefährlich. Gefährlich sind nur Lügner, die manchmal die Wahrheit sagen."

Illustration mit Agenturbild

Der Anlass: Österreich hatte am Wochenende eine Story über die Mutter mit 66 aus der Steiermark mit einem Agenturbild einer kalifornischen Großmutter mit Kind illustriert. Bildheadline: "Maria M., 66, späte Mutter."

Fellner erinnert die Krone, dass neben dem Bild doch eh "Tracy Kahn/Corbis" stand (in Minischrift).

Auch im Konter ist Feller um keinen Superlativ verlegen: "Der größte Witz an der Geschichte" ist für ihn, dass die Krone eine Story über die Steirerin selbst mit dem Sujetbild einer Agentur illustrierte. Was Fellner nicht erwähnt: Dort stand nichts, was den Eindruck erweckte, auf dem Foto sei die 66-Jährige abgebildet. Bildtext: "Wichtig vor jeder Geburt - Untersuchung mittels Ultraschall."

Wer hätte geahnt, dass die Seriosität der Krone so locker zu unterbieten ist?

"Wie ein Kaninchen" sieht Fellner die Krone aufgeregt vor Österreich sitzen. Er erwähnt nicht, wie weit vorne sie sitzt: 838.000 zum Großteil zum Vollpreis verkaufte Exemplare gegen 162.000 meist mit Nachlässen verkaufte.

Wohl um den Abstand etwas zu verringern, zahlt die Zeitung nun für's Abonnieren. 50 Euro überweist sie, wer ein Jahresabo für 9,90 im Monat nimmt.

Geld fürs Abonnieren

Fellner hat zwar eigentlich versprochen, mit Österreich Zeitung und Internet neu zu erfinden. Bei diesem Marketinggag kam ihm der Kurier zuvor. Der kleine Mediaprintbruder der Krone versprach Jahresabonnenten 100 Euro, wenn sie an die 20 Euro monatlich überweisen. Damit begab sich der Kurier vorübergehend auf das Normalpreisniveau von Österreich, das sich nun wieder selbst unterbietet.

Immerhin: Das Gerangel im Zeitungsmarkt macht Abos so günstig wie noch selten, nicht nur bei den unmittelbaren Kombattanten. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 4.4.2007)

  • "Wahrheit ist doch bloß ein kleinbürgerliches Vorurteil": "Krone" an "Österreich", das ein US-Agenturbild mit der Headline "Maria M., 66, späte Mutter" versah.
    ausriss: österreich

    "Wahrheit ist doch bloß ein kleinbürgerliches Vorurteil": "Krone" an "Österreich", das ein US-Agenturbild mit der Headline "Maria M., 66, späte Mutter" versah.

  • "Der größte Witz": "Österreich" an "Krone", die selbst ein Agenturbild verwendete. Nur ohne den Verdacht zu erwecken, darauf finde sich "Maria M.".
    ausriss krone

    "Der größte Witz": "Österreich" an "Krone", die selbst ein Agenturbild verwendete. Nur ohne den Verdacht zu erwecken, darauf finde sich "Maria M.".

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