Baukonzern stärkt sich in Russland

30. April 2007, 21:16
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Strabag gründet Jointventure mit Deutscher Bank zur gemeinsamen Entwicklung von Großprojekten

Besonders auskunftsfreudig war man bei der Strabag-Pressekonferenz am Dienstag in Moskau nicht. Was konkret anstehende Großprojekte betrifft, nannte man keine Namen, obwohl das ursprünglich intendiert war. Der Investitionsstandort Russland ist und bleibt eben heikel. Und wenn nicht ausschließlich alle Tücher im Trockenen sind, übt man sich der landesüblichen Medienpolitik entsprechend lieber in Zurückhaltung.

Soviel aber wurde bekannt: Der österreichische Baukonzern Strabag und die Deutsche Bank haben ein Jointventure namens DB Development gegründet. Gemeinsam sollen künftig Großprojekte sowie die Entwicklung der Infrastruktur im boomenden Russland und den GUS-Staaten bearbeitet werden.

Bestens aufgestellt

Abgesehen von einem kleineren Jointventure, das die Deutsche Bank im Vorjahr in Petersburg gegründet hat, ist der Zusammenschluss mit Strabag der erste größere zwischen einer Baugesellschaft und westlichen Banken in Russland. Angeboten wird das ganze Spektrum von Dienstleistungen – von der Grundstückssuche bis zur Gebäudeverwaltung. Intendiert ist die "stabile Führungsposition auf dem Development-Markt in Russland und der GUS".

Beide sind bestens in Russland aufgestellt. Die Strabag, die sich seit 15 Jahren zu einer der renommiertesten Baugesellschaften auf dem russischen Markt etabliert hat, baut derzeit etwa das berühmte Hotel Moskau neu auf – mit 600 Mio. Dollar finanziert von der Deutschen Bank. Auch bei anderen Prestigebauten wie etwa dem Nordturm im neuen Stadtteil Moscow City ist die Strabag vorn dabei. Insgesamt baut Peter Haselsteiners Holding in Russland derzeit 1,5 Millionen m2 Immobilien. "Bis 2010 wollen wir das Auftragsvolumen verdrei- oder vervierfachen", sagt Alexander Ortenberg, Strabag Managing Director für Russland.

Frisches Kapital für Russland

Von der gesamten Bautätigkeit des Konzerns freilich kommen auf Russland gerade mal einige wenige Prozentsätze. Das soll sich bald ändern. Für Mai ist der Börsengang in Frankfurt geplant. Wie kolportiert wird, soll der Großteil des hereingespielten Kapitals nach Russland wandern.

Für die Deutsche Bank bietet das Jointventure die Möglichkeit, mit der erfahrenen Strabag schnell auf den Immobilienmarkt einzusteigen. "Insgesamt haben wir 2,5 Mrd. Euro für Immobilieninvestitionen in Russland in der Pipeline", sagt Victor Makshantsev, zuständiger Direktor bei der Deutschen Bank. Auch wenn darüber geschwiegen wurde, so scheint Insidern zufolge das erste gemeinsame Projekt ein multifunktionaler Komplex am Sofienkai in Moskau zu sein. Auftragssumme für die 80.000 m2 Baufläche: 350 Mio. Dollar. Zwei Bürogroßprojekte sollen folgen. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2007)

  • Das mit dem anstehenden Börsegang der Strabag hereingespielte Kapital soll dem Vernehmen nach zum Großteil nach Russland wandern.
    foto: derstandard.at/putschögl

    Das mit dem anstehenden Börsegang der Strabag hereingespielte Kapital soll dem Vernehmen nach zum Großteil nach Russland wandern.

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