Sanel Kuljic spricht mit dem Ballesterer

Redaktion, 5. Februar 2008, 11:10
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    Inhalt der neuen Ausgabe
    (Nr. 27, April/Mai 2007)

    SCHWERPUNKT: MIGRATION
    Einwanderungsgeschichte
    Flüchtlingskinder, Gastarbeiter & "echte Österreicher"
    Am Rand des rotgelben Universums
    Zu Besuch bei zwei Wiener Galatasaray-Enklaven
    Unsichtbar im Fanblock?
    Migrantische Fans zwischen Rassismus und Integration
    Fußball unterm Hakenkreuz
    Die NS-Verfolgung der tschechisch-wienerischen Fußballer
    Deutsch-Afrikaner
    Hans Sarpei startete seine Karriere am Dach eines Plattenbaus
    Erfolgsmodell Schweden
    Drei-Kronen-Team erntet Früchte einer aktiven Migrationspolitik
    Dober Dan, Down Under
    Kroaten haben den australischen Fußball geprägt

    Außerdem im neuen ballestererfm:
    Sushi-Essen mit Mario Haas
    Der Japan-Heimkehrer im Interview
    Eisenstädter Verwandlung
    Lokalaugenschein nach dem Trenkwalder-Einstieg
    Die Folgen von Catania
    Wie reagieren die Behörden?
    + Interview Carlo Balestri/Progetto Ultrà
    Fußball für alle
    Die EURO-Erwartungen behinderter Fans
    Kant vs. Aristoteles
    Monthy Pythons großartiges Fußballspiel der Philosophen
    Vom Fernweh gepackt
    Rudi Strittich kickte in Kolumbien und trainierte Dänemark
    Deutsches Dorf im Größenwahn
    Ein Software-Unternehmer will mit Hoffenheim in die 1. Liga
    Groundhopping
    Hüpfen mit Independiente, Saufen wie Mechelen, Sprinten in Hanoi
    Dr. Pennwiesers Notfallambulanz
    Schultergelenk, das ausgekugelte

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Kuljic war einer von sechs Vertretern der zweiten Generation im letzten öster­reichischen Teamkader - Der bosnisch-stämmige Goalgetter im Interview

Geboren am 10. Oktober 1977, lief für Sanel lange Zeit alles nach Plan. Bis zum Alter von 14 spielte er in seinem Heimatort Grödig, 15 Kilometer südlich von Salzburg, für den dortigen SV. Dann der Wechsel ins BNZ, er wird EM-Vierter mit dem ÖFB-U16-Team, ehe ihn Otto Baric 1995 mit 17 in den erweiterten Kader der Salzburger Austria holt. Unter Heribert Weber kommt Kuljic 1996/97 zwar zu Meisterehren, über Kurzeinsätze allerdings nicht hinaus.

Auf einmal geht es bergab. Kuljics Vater stirbt, er selbst wird zum Bundesheer eingezogen, kann nicht mehr wie gewünscht trainieren und beginnt, seine Sorgen im Alkohol zu ertränken. Die Karriere scheint zu Ende, bevor sie richtig begonnen hat. Schule und Lehre hat er abgebrochen, seine "Freunde" sind in der Salzburger Halbwelt daheim. Erst als Sanel Kuljic seine heutige Frau Nicoleta kennen lernt, wendet sich das Blatt, und er arbeitet sich über den Regionalligisten PSV Salzburg zurück in den Profifußball.

Der Rest sind Tore: fast 90 in fünf Saisonen mit Bad Bleiberg, Pasching, dem LASK und Ried – gekrönt von den 34 Treffern für die Innviertler in der Aufstiegsaison 2004/05. Ein Jahr darauf wird er mit 15 Toren auch in der Bundesliga Schützenkönig und wechselt zum FC Sion in die Schweiz. Wenn er gerade nicht vor dem Tor steht, ist Sanel Kuljic ein zurückhaltender Mensch. Das stellt der zweifache Vater auch beim Interview im ÖFB-Teamcamp in Stegersbach unter Beweis. Ruhig – und mitunter im Salzburger Dialekt – beantwortet er die Fragen, die ernsthafte Miene weicht nur selten einem schelmischen Grinsen.

***

ballestererfm: Ihr Vater ist aus dem heutigen Bosnien nach Österreich emigriert?

Sanel Kuljic: Ja, Anfang der 70er-Jahre mit seinem Bruder. Er hat dann hier gearbeitet und meine Mutter geheiratet. Ich hatte von Geburt an die österreichische Staatsbürgerschaft und war in meiner Kindheit vielleicht zehn Mal in Bosnien auf Urlaub. Die Sprache habe ich erst Anfang der 90er-Jahre wirklich gelernt, als im Zuge des Krieges in Jugoslawien meine Cousins nach Österreich gekommen sind.


"Ich hatte keine Nachteile aufgrund meines Namens. Ich hab mich immer als Österreicher gefühlt und bin auch sehr froh darüber, weil mir nie etwas abgegangen ist."

Welche Beziehung haben Sie heute zu Bosnien? Verfolgen Sie die Nationalmannschaft mit besonderem Interesse?

Ich war seit Jahren nicht mehr in Bosnien. Meine Oma und andere Verwandte leben aber noch dort, mit ihnen habe ich ungefähr alle zwei Wochen telefonisch Kontakt. Für das bosnische Team interessiere ich mich schon deswegen besonders, weil es das Heimatland meines Vaters war. Leider ist kein Ländermatch des ÖFB-Teams gegen Bosnien ausgemacht.

War es im Nachwuchs von Grödig ein Thema, dass Sie jugoslawische Wurzeln hatten?

Eigentlich nie. Wir waren damals zwei, die keinen typischen Salzburger Namen hatten. Außerhalb des Vereins haben wir täglich auf einer Wiese gekickt, da waren sicher 70 bis 80 Prozent Ausländer. Ich hatte auch in der Schule keine Nachteile aufgrund meines Namens. Ich hab’ mich immer als Österreicher gefühlt und bin auch sehr froh darüber, weil mir nie etwas abgegangen ist.

Erinnern Sie sich an Erlebnisse, wo sie beschimpft wurden, weil Sie Kuljic heißen und nicht – sagen wir – Amerhauser?

Natürlich kommt so etwas vor. Aber das muss ich so hinnehmen, weil ich bin nun einmal der Kuljic und nicht der Huber. Das kann ich nicht bestreiten. Wenn jemand meint, mich auf diese Weise schlecht machen zu müssen, ist das sehr niedriges Niveau. Das ist mir aber fast nie passiert.

Manche Leute sagen, man kann fast nur mehr Profi werden, wenn man bis zum Alter von 18 in die Schule geht – gerade für ein Migrantenkind ist das aber keine Selbstverständlichkeit. Wie sehen Sie das?

Ich glaube, dass eine Lehre einen nicht daran hindert, Profifußballer zu werden. Wenn du unbedingt willst, dann geht das auch. Wichtig sind das Talent und der nötige Wille.

Der Wille war gerade bei Ihnen wahrscheinlich sehr wichtig. Sie waren zwischenzeitlich ohne Verein, ohne fußballerische Perspektive. Wie sind Sie da wieder raus gekommen?

Ich habe gewusst, dass ich Fußballspielen kann, und dass es meine letzte Chance war, dorthin zu kommen, wo ich meiner Meinung nach hingehöre. Motiviert war ich durch meine Frau, unsere Heirat, das erste Kind – ich hatte Verantwortung. Im Endeffekt ist es ab diesem Zeitpunkt nur mehr bergauf gegangen.

Sie können in Österreich auf eine eindrucksvolle Visitenkarte als Torjäger verweisen. Auch in der Schweiz ist es nicht schlecht gelaufen. Was macht Sanel Kuljic so torgefährlich?

Den Torriecher musst du natürlich in dir haben. Es hängt aber auch viel daran, dass du immer an dir arbeitest. Mental, aber auch auf dem Platz. Dass du die Sachen, die du im Match brauchst, immer wieder wiederholst und automatisierst. Wenn du fünf Meter vor dem Tor stehst, kann es einfach nicht sein, dass du nicht triffst.

In der Schweiz redet man viel von der wichtigen Rolle der "Secondos" für den dortigen Fußball. Ist der Status der Zweiten Generation im eidgenössischen Liga-Alltag anders als in Österreich?

Es gibt in der Schweiz viele junge Kicker mit afrikanischen, portugiesischen oder südamerikanischen Eltern. Sehr gute, talentierte Spieler, die man bei uns noch nicht kennt, weil sie es noch nicht in die Nationalmannschaft geschafft haben.

Wenn Sie die beiden Ligen vergleichen: Wo liegen die gravierenden Unterschiede?

In Österreich wird teilweise viel aggressiver gespielt. In der Schweiz wird versucht, mehr Fußball zu spielen. Die "Secondos" und die ausländischen Spieler sind in dieser Hinsicht für die Schweizer Liga sicher eine Bereicherung. Es wird durch sie ein ganz anderer Fußball gespielt, als wenn es da nur Schweizer geben würde.


"Die Secondos und die ausländischen Spieler sind für die Schweizer Liga eine Bereicherung. Es wird durch sie ein ganz anderer Fußball gespielt, als wenn es da nur Schweizer geben würde."

Sie haben ihren Vertrag beim FC Sion kürzlich wegen ausständiger Gehaltszahlungen gekündigt. Wann haben die Probleme begonnen?

Ich habe den Verein mehrmals auf die ausständigen Zahlungen aufmerksam gemacht – mündlich und auch schriftlich. Sie sind dem nicht nachgekommen, haben den Vertrag, meiner Meinung nach und der meines Anwaltes, gebrochen. Daher habe ich gekündigt. Natürlich hätte man auch sagen können: "Okay, bis zum Sommer wird es schon noch gehen." Ich hab’ das auch gewollt und ein Gespräch gesucht. Das hat sich aber zerschlagen, weil mein ehemaliger Chef (Anm: Sion-Präsident Christian Constantin) mit einer ganz neuen Version der Geschichte gekommen ist. Das habe ich nicht in Ordnung gefunden. Ich weiß, was in meinem Vertrag steht.

Welchen Eindruck hatten Sie allgemein vom Umfeld in Sion? Es gab ja auch sehr viele Trainerwechsel?

Inklusive Interimscoach hat der Klub den fünften Trainer in dieser Saison. Das kann nicht gut sein. Das Umfeld war nicht immer professionell. Es gibt auch andere Spieler, die damit nicht zufrieden sind. Ich will dem Klub keine Probleme bereiten. Ich möchte nur das, was mir zusteht.

Werfen wir einen Blick auf die Heim-EM 2008: Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Das erste Ziel ist natürlich, dabei zu sein. Um das zu schaffen, muss ich bis 2008 gute Leistungen bringen. Bis zur Europameisterschaft will ich noch gar nicht denken. Für mich ist es in erster Linie wichtig, dass ich bis dahin meine Tore mache – egal, wo ich spiele.

Wie viele "Secondos" werden im österreichischen EM-Kader stehen?

Die Anzahl steht für mich nicht im Vordergrund. Bei der EM sollen die Stärksten dabei sein – wenn es zwei "Secondos" sind, ist es okay. Wenn es fünf sind, passt es natürlich auch.

(Das Gespräch führten Reinhard Krennhuber und Georg Spitaler. Fotos: Leonhard Föger)

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Posting 1 bis 25 von 37
1 2
tschare
00
10.4.2007, 03:24

muh wo bleibt mein ballesterer :/

wallaby1
01

wieso versucht man ihn , in die migranten-böse-österreicher-tränendrüse schiene zu pressen.

hat der ballesterer keine anderen fragen? wird der ballesterer von sozialethnologen unterwandert?

Mr. Hankey
00
12.6.2007, 00:52
nicht nur das...

auch linxlinke vaterlandsverräter und das gutmenschentum anbetende zeitgenossen haben die redaktion unterwandert!

welche fragen hättest du ihm gestellt, angesichts der tatsache dass das interview zum schwerpunktthema migration verfasst wurde? wie gut die luft in ried ist? ob er zum schnitzel lieber reis oder pommes hat...

parfen s. rogoshin
10

da hängt sich ein (eher unter- als) durchschnittlich begabter profifussballler einem fragwürdigem "manager" an die brust, um das finanziell beste aus seinen beschränkten möglichkeiten zu machen und folgt dem vermeintlichen ruf des schnellen geldes die länder öfter wechselnd als die schuhe und -hoppala- es haut ihn auf die goschn.

das wäre eigentlich das thema, das eine das system intelligent reflektierende fussballzeitung mit herrn kuljic im zusammenhang mit migration erörtern müsste- und hat aber auch gar nichts mit den nachvollziehbaren persönlichen/wirtschaftlichen/ politischen migrationsgründen seines vaters und dessen generation zu tun.

Dr. Socrates
00
13.4.2007, 18:11
so wie sie das schreiben,

ist das derzeit für jeden zweiten österreichischen fußballer passend.

nur: in diesem fall, bei diesem ballesterer-schwerpunkt war das eben nicht die fragestellung.

Michael Pacher
00

Eine Frage als nicht-Salzburger, der ab und zu in Salzburg ist:

Grödig ist lt. diesem Artikel 15km südlich von Salzburg - was ist dazwischen?

Ich dachte bisher immer, dass wäre ein Stadtteil / Aussenbezirk?

bluefrog
00

Grödig ist ein Vorort von Salzburg!

Michael Pacher
00

danke für die Info

mukl
00
21.4.2007, 21:11

es gibt aber sicher 2 punkt, die 15km voneinander entfernt sind, wobei der eine in sbg liegt und der andere in grödig. :)

tschare
00

oh man hoffentlich kommt der neue ballesterer bevor ich morgen zum ostern-feiern in "die heimat" fahr :/

parfen s. rogoshin
40
wenn sein oider...

...in migrationsfragen ein ähnlich glückliches händchen bzw. einen so kompetenten schlepper-pardon manager- wie der junior gehabt hätte, dann müsste die familie kuljic jetzt noch in bosnien sitzen ...

Schmähphisto
 
21
...alleine deine Schriftsprache

reflektiert den Intelligenzanspruch deines "Postings" das ich eher als "Vomiting" bezeichnen würde. Damit du mich verstehst hier meine Empfehlung an dich in dir gewohntem Ton : " Marschier' und wöö die Blauen oda Orauschenan - owa bitte, bitte bleib weg von Fuassboi in jeder Furm !"

parfen s. rogoshin
00
schön...

...mangels argumentativer/intellektueller kompetenzen haben sie es sich angewöhnt, orange/blau mit uaschlecht/böse/dumm/gefährlich/.. analog zu setzen. das ehrt sie zwar inhaltlich und haben sie hierbei meine ausdrückliche zustimmung, was das aber mit dem im artikel interviewten fussballer oder gar mit meinem posting zu tun haben soll, entzieht sich meinem verständnis.
ein tip- wenn sie das nächste mal etwas posten wollen, versuchen sie eine nachvollziehbare perlenreihe an argumenten auf ihren faden zu knüpfen.
dabei könnte man es bewenden lassen, und sich wieder klügeren artikeln und postings auf derstandard.at zuwenden, das problem ist nur, dass ich auf derlei anspielungen, die mich ins reaktionäre eck ausgesprochen allergisch reagiere.

Dr. Socrates
01
13.4.2007, 18:13
wenn sie glauben,

dass papa kuljic anno dazumal einen schlepper brauchte, um von jugoslawien als gastarbeiter nach österreich zu kommen, brauchen sie dringend geschichtsunterricht.

under ground
00
komm zurück zum linzer athletik sport klub

du wirst sehen, es wird dir gut gehen!

Peter F
 
00
Ich glaube, Herr Kuljic ist ein begnadeter Sportler...

...und deshalb hat er ja auch so viele Fans. Weiter So.

divis
 
01
F: Erinnern Sie sich...

...an Erlebnisse, wo sie beschimpft wurden, weil Sie Ivanschitz heißen und nicht – sagen wir – Herzog?

A: Ja, ständig!

tom büchse
00

soll das jetzt lustig sein?

franz obergscheit
25
der fremde

warum wird dieser salzburger fussballer in diesem interview ständig nach seinen familiären wurzeln gefragt? und ist ein slawischer name wirklich etwas so sensationelles, dass man sich darüber derart verbreiten muss? hat dieser mensch vielleicht doch noch andere interessante eigenschaften ausser ein "migrantenkind" zu sein?

parmigiano
00

weil sowas in österreich offenbar leider noch immer ein thema ist.

ich (in deutschland geboren) bin in ö. in einem kleinen kaff aufgewachsen - das war während meiner volksschulzeit vielleicht immer eine aufregung und ein ereignis, wenn jemand erfahren hat, dass ich tatsächlich nicht in österreich geboren wurde (ganz interessant und besonders war natürlich auch, dass ich nicht so stark dialekt gesprochen habe)

lucarelli99
12
schwerpunkt dieser ballesterer-ausgabe...

... ist das thema "migration und fußball" - steht am cover und bei den inhalten. das interview ist teil des schwerpunkts, daher finde ich es logisch, dass sich die fragen um diesen aspekt drehen. nicht wahr?

Xquadrat
11

Der Ballesterer hat halt in dieser Ausgabe das Thema "Integration/Migration".

ratschi-bum-trara
212
und Sanel heißt er auch noch!

ball: "Ist ihnen eigentlich nie was schlimmes widerfahren mit dem NAMEN?"
K: nein,eigentlich nicht wieso?
ball: "aber ich bitte sie...Kuljic...in österreich mit de ganzen rassisten"
K: na,eigentlich net.mir ist es bei uns ganz gut gegangen
ball:" aber wenn man KULJIC oder so heißt,dann muß ja irgendwann einmal..."
K: NEIN! Tut mir leid!Tschuldigung!
ball:"aber wenigstens ein einziges Mal.... a bissl eine ausgrenzung,alltagsrassimus...irgendwas..BITTE"
K: na gut ich glaub da war einmal was.
Ball:DANKE!

Mr. Hankey
10
12.6.2007, 00:54
wenn du

mal erwachsen bist, lies das interview noch einmal, vielleicht verstehst du es dann..., wenn nicht, auch kein problem, krone und co werden dir die welt schon erklären...

paradieser
32

hast du wegen deines deppaten posternamens eigentlich schon mal glaubwürdigkeitsprobleme gehabt?

Kommentar posten
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