Neuer Geschwindigkeits-Weltrekord

7. Juni 2007, 16:30
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TGV-Spezialversion kam auf der Strecke zwischen Straßburg und Paris auf notariell beglaubigte 574,8 Stundenkilometer

Reims - Erstmals seit 17 Jahren gibt es einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord auf der Schiene: Eine Spezialversion des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV schaffte es am Dienstag nach Angaben eines mitfahrenden Notars auf der Strecke zwischen Straßburg und Paris bis auf 574,8 Stundenkilometer.

Alter Rekord aus 1990

Damit übertraf der "V150" getaufte Zug den bisherigen Rekord für radgebundene Schienenfahrzeuge, der gleichfalls von einem TGV im Jahr 1990 mit 515,3 Stundenkilometern aufgestellt wurde. Schneller als der vom französischen Hersteller Alstom gebaute Zug war auf einer Schienenstrecke bisher nur die japanische Magnetschwebebahn JR-Maglev, die 2003 Tempo 581 schaffte, dabei aber keinen Kontakt zum Boden hatte. Der deutsche InterCityExpress (ICE) hatte es 1988 bis auf 406,9 Stundenkilometer gebracht.

Alstom setzte bei der Rekordfahrt eine Spezialversion des TGV aus zwei Loks und drei doppelstöckigen Wagen mit 25.000 PS ein. Im Unterschied zu den herkömmlichen TGVs ist der Antrieb dabei auf der ganzen Länge des 234 Tonnen schweren Zuges verteilt und nicht mehr nur in den Lokomotiven konzentriert.

Strecke wurde eigens präpariert

Auch die Strecke, auf der ein abschüssiges Stück 200 Kilometer vor Paris für die Rekordfahrt ausgewählt wurde, musste besonders präpariert werden: Stromleitungen wurden verstärkt und die daran liegende Spannung erhöht. Auch das Gleisbett musste besonders gesichert werden, um den starken Erschütterungen durch den Super-Zug standzuhalten.

Zweieinhalb Stunden vor dem Rekordzug war ein normaler TGV die Strecke abgefahren, um alle Risiken auszuschließen. Brücken waren gesperrt worden und 100 Gendarmen überwachten den Abschnitt. Denn Zwischenfälle durfte es nicht geben: Jede Notbremsung wäre hoch riskant gewesen, und der normale Bremsweg nach Erreichen der Spitzengeschwindigkeit war länger als 15 Kilometer.

Genau um 13.13 Uhr und 41 Sekunden war es geschafft: Mit 574,8 Stundenkilometern katapultierte der TGV-Spezialzug den Weltrekord für Schienenfahrzeuge in eine bisher nur Magnetbahnen vorbehaltene Dimension.

Wo man an die Strecke herankam, hatten sich Schaulustige versammelt. Doch zum Klatschen blieb kaum Zeit, so schnell jagte der TGV vorbei.

Lokführer "glücklich und stolz"

"Ich bin wirklich glücklich und stolz auf alles, was hier passiert ist", sagte der Lok-Testpilot Eric Pieczac bei der Ankunft in Reims-Bezannes in der Champagne. "Der Druck war gewaltig. Wir hatten kein Recht auf Fehler. Doch alles lief glatt: Kein Vogel hat uns gestört, selbst das Wetter war gut."

Staatspräsident Jacques Chirac beglückwünschte die Erbauer zu der "wunderbaren Demonstration der großartigen Kapazitäten Frankreichs im Bereich der Forschung und Entwicklung". Die Leistung sei fantastisch. "Mit seiner wirtschaftlichen Leistungskraft und Umweltfreundlichkeit ist der TGV ein wesentliches Faustpfand, um die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung des Verkehrs anzunehmen", sagte Chirac.

Insgesamt kostete die Rekordfahrt die Staatsbahn SNCF, die Schienengesellschaft RFF und Alstom 30 Millionen Euro.

Werbung für Export

Für Alstom ist der Rekord vor allem Werbung beim Verkauf des Zuges im Ausland. Im normalen Betrieb sind solche Geschwindigkeiten nicht realistisch. Die französische Staatsbahn SNCF überlegt allerdings, das Tempo bis auf 360 Kilometer pro Stunde zu erhöhen. Technisch sei dies bei den TGV-Hochgeschwindigkeitszügen möglich, sagte SNCF-Generaldirektor Guillaume Pepy, im Fernsehsender France 2. Angesichts der dafür notwendigen Veränderungen an Zügen und Strecken müsse aber geprüft werden, "ob sich das wirtschaftlich lohnt".

Bisher fahren TGV-Züge in Frankreich mit 300 Stundenkilometern. Ab Juni soll auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris-Straßburg, auf der auch deutsche ICE-Züge verkehren werden, dann Tempo 320 erreicht werden. (APA)

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    Alstom setzte bei der Rekordfahrt eine Spezialversion des TGV aus zwei Loks und drei doppelstöckigen Wagen mit 25.000 PS ein.

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    Lokführer Eric Pieczac präsentiert stolz den neuen Weltrekord.

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