Potenzielle Mütter sollen nichts fordern

4. April 2007, 07:00
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Für sein degradierendes Pseudo-Argument hat sich der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek eine Zitrone verdient

Niemand weiß es so gut wie die Frauen selbst: Kinder haben und gleichzeitig erwerbstätig zu sein, gehört zu den schwierigsten Aufgaben eines Frauenlebens. Wie frau es auch dreht und wendet, welche Überlegungen sie dabei anstellt, auf welche privaten (Oma, Kinderfrau, Mann) und gesellschaftlichen Unterstützungen (Betreuungsstätten) sie im jeweiligen Fall ihres Landes zurückgreifen kann, es geht sich einfach nicht aus. Zumindest nicht zufriedenstellend und schon gar nicht entspannt.

Denn das Uralt-Dilemma liegt in den gesellschaftlichen - sprich patriarchalen - Strukturen selbst, die am Konzept der Trennung von Privatem und Öffentlichem - Mann bewegt sich primär am Arbeitsmarkt, ist Ernährer, Frau erzieht die Kinder, ist höchstens Dazuverdienerin - auch bei diversen Modellen der Vereinbarkeit - letztere erweisen sich als unzureichende praxisferne Konstrukte - strikt festhalten.

Diese traurigen und frauen- als auch kinderfeindlichen Tatsachen sollen jedoch nicht dazu führen, die Forderungen einer praktikablen und für alle zufriedenstellenden Vereinbarkeit fahren zu lassen, und sie resigniert als Unabänderlichkeit zur Kenntnis zu nehmen. Frauen haben das Recht auf Kinder und Erwerbsarbeit, ohne Drahtseilakte bis zum Burnout leisten zu müssen. Dies zu ermöglichen ist Aufgabe einer humanen Politik, die ihrerseits die Frauen angesichts sinkender Geburtenraten zum Gebären auffordert und sie konjunkturbedingt ja auch nur allzu gerne als ökonomische Reservearmee einsetzt.

Nun ließ dieser Tage eine Aussage des tschechischen Ministerpräsidenten Mirek Topolanek bei seiner Gleichberechtigungsrede anlässlich einer EU-Gala aufhorchen. Der Regierungschef hatte am Montagabend unter anderem gesagt, Frauen könnten auf dem Arbeitsmarkt nicht die gleichen Chancen wie Männer einfordern, da sie schwanger werden könnten.

Sinngemäß auf den Punkt gebracht. Nur und das ist der große Unterschied: die Degradierung der Frauen erfolgt ja gerade aufgrund ihrer Gebärfähigkeit und der patriarchalen Organisation der Gesellschaft, die sich nach wie vor am fulltime-arbeitenden Mann ohne weitere sogenannte private Verpflichtungen orientiert. Daher kann Topolaneks Aussage - Frauen könnten nicht die gleichen Chancen einfordern - wohl nur ein Witz sein und wird mit einer Zitrone beantwortet. (dabu)

04.04.2007
  • Ins Fettnäpfchen getreten: Mirek Topolanek
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    Ins Fettnäpfchen getreten: Mirek Topolanek
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