Schmied holt PISA-Chef Haider zurück in die Bildungspolitik

16. Juli 2007, 10:43
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Haider soll "führende Rolle" bei Umsetzung bestehender Expertenvorschläge für Schulentwicklung spielen

Wien- Unterrichtsministerin Claudia Schmied holt den unter Schwarz-Blau in Ungnade gefallenen Bildungsexperten und PISA-Chef Günter Haider zurück in die bildungspolitische Arena. Dieser soll bei der Umsetzung bereits bestehender Expertenvorschläge, etwa jener der von ihm geleiteten Zukunftskommission, "eine führende Rolle spielen", sagte Schmied im Gespräch mit der APA. Dies soll im Rahmen des noch von Schmieds Vorgängerin Elisabeth Gehrer geplanten Bundesinstituts für Bildungsforschung und Schulentwicklung erfolgen.

Kritisierter Bildungsexperte

Haider leitet das an der Universität Salzburg eingerichtete Projektzentrum für Vergleichende Bildungsforschung (ZVB), das unter anderem PISA in Österreich durchführt. In der vergangenen Legislaturperiode war der Erziehungswissenschafter zunächst noch gefragter Bildungsexperte, nach Kritik an der Bildungspolitik, etwa an der schleppenden Umsetzung von Expertenvorschlägen, wurde er allerdings vor allem von der ÖVP massiv kritisiert.

Studien umsetzen

Schmied will nun, ehe sie neue Untersuchungen in Auftrag gibt, die zahlreichen schon existierenden Studien und Expertenpapiere analysieren und auf Umsetzbarkeit prüfen. Eine Gruppe rund um Haider, mit dem Schmied schon einige Gespräche geführt hat, soll dies für das Unterrichtsministerium tun. Ob Haider auch Leiter des neuen Bundesinstituts wird, steht noch nicht fest. Er werde dort jedenfalls mitarbeiten, die Leitung sei noch nicht ausgeschrieben.

Bildungsbericht Ende 2008

Organisatorisch soll das Institut bis Herbst eingerichtet sein und als erstes sichtbares Produkt Ende 2008 einen "Bildungsbericht" vorlegen. Darin sollen Basisinformationen über die Schulstatistik, Bildungsströme sowie Wirkungsanalysen des österreichischen Bildungssystems enthalten sein.

Reformen

Die von Schmied bis Ende März angekündigte Expertengruppe, die sich mit einer Reform des Bildungssystems beschäftigen soll, "wird noch ein bisschen dauern". Die Ministerin führt derzeit informelle Gespräche und will die Gruppe "sehr interdisziplinär" anlegen und sie solle "ein breites gesellschaftliches Spektrum abdecken".

Neues Gesetz für Bildungsdaten

Großes Thema bis Sommer werden für Schmied die Pädagogischen Hochschulen sein, die im Herbst aus den Pädagogischen Akademien entstehen sollen. Sie will sich u.a. bei den neuen Studienplänen einbringen, wichtig dabei sind ihr die Durchlässigkeit ("damit Studenten wechseln können") sowie didaktische Fächer und Sozialkompetenz der Lehrer. Bis zum Herbst will Schmied eine Novelle zum umstrittenen Bildungsdokumentationsgesetz vorbereiten.

Budgetwende

"Sehr zufrieden" ist Schmied mit dem Budget - die Ausgaben für "Erziehung und Unterricht" steigen von knapp 6,29 Mrd. Euro im Jahr 2006 auf rund 6,52 Mrd. Euro heuer und 6,60 Mrd. Euro im Jahr 2008. Wie viel von dieser Erhöhung tatsächlich für neue Vorhaben, etwa die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl, zur Verfügung steht und wie viel nur für Gehaltserhöhung der Lehrer draufgeht, ist für Schmied zweitrangig. "Mein Ziel ist nicht Delta-Politik (als mathematisches Zeichen steht Delta für eine Differenz, Anm.) zu betreiben, sondern das Gesamtbudget so einzusetzen, dass es zukunftsgerichtet in die Bildung investiert wird", sagte Schmied, und weiter: "Ich bin in der wunderbaren Situation, dass ich Projekte starten und umsetzen kann." Sie sieht das "als Wende" gegenüber vergangenen Jahren mit "stagnierenden Budgets und Kürzungen von Lehrerstellen und Unterrichtsstunden". (APA)

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