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Von Schnee- und Sandmännern

10. April 2007, 10:23
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Ohrenschmäuse mit der britischen Formation Sand und dem österreichischem Duo Schnee (Kurzmann und Stangl) im Klangraum Krems, in der Minoritenkirche

Weder wie zu Eis erstarrt noch wie in der Wüste begraben klingt die Musik der beiden Formationen Sand und Schnee. Ganz im Gegenteil: ihre Musik ist erquickend frisch, pulsierend und im Falle ersterer, wohltuend fetzig.

 

 

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Beeinflusst von Gruppen wie Sonic Youth, The Swans und Liquid Liquid hat das 1995 gegründete britische Quintett Sand aus Birmingham ihr eigenes Genre kreiert: "hardcore jazz metal eletronica", könnte eine Bezeichnung dafür sein, auch wenn Sand ursprünglich nur als Ableger des Projekts Germ von Tim Wright (Elektronik) und dem Posaunisten Hilary Jeffery galt. Schon allein die unterschiedlichen Einflüsse und Aktivitäten der Sandmänner - Neil Griffiths, Gitarre und Effekte, ist beispielsweise Filmemacher und war Mitglied der Metaller Scorn, andere wiederum widmen sich elektroakustischen Kompositionen und Jazz – geben Auskunft über die Bandbreite der Formation, die aber nicht allein auf die Summe ihrer Mitglieder beschränkt ist, sondern weit darüber hinaus geht.

Mit ihrem neuen Album "The Dalston Shroud" präsentiert Sand einmal mehr ein dichtes und enorm kraftvolles Werk, mit einem Gemisch aus schweren Bass Grooves, Gesang und Jazz Improvisationen. Auch werden Erinnerungen an die Hardcore-Zeiten der 80er Jahre wach, durch Reminiszenzen an Sloy und Konsorten.

Durch und durch ist Jefferys heraus stechende Posaune der antreibende Geist von Sand, auf dem aktuellen Album wie auch auf den beiden Vorgängern. Er gestaltet die Melodien, die oft aus dichten Nebelschwaden voll von lang hinausgezögerten Tönen bestehen. Wrights Elektronik wirkt vergleichbar subtil, ist aber nicht minder bedeutsam. Er produziert mal zischende, mal langatmige Basstöne, dann wieder heulende und metallische Ausbrüche. Neil Griffiths Gitarrenspiel wirkt vergleichsweise rauer, intensiver und kürzer.

Mit dabei auf dem aktuellen Album: Vokalartistin Maja Ratke und ihrer gespenstischen Stimme sowie der österreichische Kabarettsänger Louie Austen, der auf dem von Patrick Pulsinger produzierten Track "Doctor Crop" zu hören ist. Zusammen mit Pulsinger gastierten Sand übrigens schon am Wiener Opernhaus. Beide Vokalisten werden in Krems nicht mit von der Partie sein, doch begleitet die Band ein neuer Gast: Erdem Tunakan.

Klanglaboratorien

Schnee – seit 1999 arbeiten die beiden österreichischen Musiker Christof Kurzmann und Burkhard Stangl an diesem Projekt. Kurzmann, früher als Saxophonist neben Helmut Heiland in (More) Extened Versions bekannt, ist mittlerweile auf die binäre Maschine als Ton- und Klangerzeuger umgestiegen. So zu hören in Kooperation mit Burghard Stangl, einem der Proponenten in Wiens Improvisationsszene, allen voran Nordrand.

Schnee verschmilzt instrumentale Klangerzeugung in Form der Gitarre mit der Welt der Elektronik. Letztere schafft ihre schimmernden, mit kargen Akzenten durchsetzten Landschaften durch die akustisch generierten Sounds mittels e-bow, elastischen Feedbackfäden oder gekrümmten Tönen.

Des Duos erstes 4-Track Album, inspiriert von Lieblingsfilmen sowie von Robert Walsers poetischen Meditationen, "vertonte" die prismatische Pracht samt ihrer kleinsten Fassetten und kompakten Kristallwelten. Schnee erntete dafür große Anerkennung, nicht zuletzt wegen des schönen Zusammenspiels von Akustikgitarre und elektronischer Soundmanipulation. Es folgten zahlreiche Konzerte im In- und Ausland, darunter Südafrika, China und Japan und ein weiteres Album. Ferner experimentierten Schnee mit neuen Musikformaten: die Einbindung von Songformaten und Popgesang in ihre Kompositionen und Improvisationen. 2002 folgte "The Year Of", ein "Pop-Quintett" mit Bernhard Fleischmann, Martin Siewert und Werner Dafeldecker.

Musikkritiker Martin Büsser zu dem Duett, im Kontext des Hypes über Elektronikmusik: "Während der Elekro- Minimalismus an allen Ecken und Enden in eine Sackgasse geraten ist und seine Lobpreisungen der so genannten Störgeräusche meist nur noch ein leises Gähnen hervorruft, wird hier wieder strukturell bedacht und trotz Minimalismus höchst dicht gearbeitet. Meiner Meinung liegt in genau solchen Grenzgängen die Zukunft des Jazz. Ja, richtig gelesen - des Jazz."

Schnee und Sand sind beide am 27.April im Klangraum Krems, Minoritenkirche, zu Gast. Diesmal noch in Form eines Doppelkonzerts, die einen Vorgeschmack auf die Auftragsarbeit von Schnee, unter anderem mit Sand, für das Donaufestival 2008 geben. (red)

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    foto: ravi deepres
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