Baustart für Elbphilharmonie in Hamburg

2. April 2007, 20:59
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Grundsteinlegung für spektakulären Bau, der 241 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein soll - Plakate: "Jetzt geht's los"

Hamburg - In Hamburg wurde am Montag Mittag der Grundstein für die neue Elbphilharmonie gelegt, deren Generalintendant der jetzige Chef des Wiener Konzerthauses, Christoph Lieben-Seutter, sein wird. Sie wird auf einem ehemaligen Speicher errichtet, 241 Millionen Euro kosten und 2010 eröffnet werden. "Ich habe noch eine tolle Schlusssaison in Wien in den nächsten drei Monaten, aber im Kopf bin ich schon zu 50 Prozent in Hamburg", sagte Lieben-Seutter in Hamburg.

Der erste Bürgermeister der Stadt, Ole von Beust (CDU), sagte bei der Feier: "Das norddeutsche Kulturleben erhält einen neuen Mittelpunkt." Die Elbphilharmonie, "Ausdruck hanseatischen Bürgersinns", solle nicht ein Musentempel für wenige sein, sondern ein Bauwerk der Kultur für alle.

Mit September in Hamburg: Intendant Lieben-Seutter

Mit September tritt Lieben-Seutter sein Amt als Generalintendant an. Er wird zuerst eine neue Veranstaltungsgesellschaft aufbauen, Personal dafür rekrutieren, das Marketing schaffen und Vorausbuchungen vereinbaren. "Es gibt mehr Anfragen, als ich in der ersten Saison einladen kann, sagte Lieben-Seutter. Alle guten Orchester seien an einem Kommen interessiet.

"So langsam" wachse er in seine künftige Aufgabe hinein, sagte er. In Hamburg will er "internationale Klassiker auf Topniveau", aber auch Jazz und Pop aufführen. Hinzu komme ein "sehr gutes residentes Orchester vom NDR". Klassik werde den Schwerpunkt der neuen Elbphilharmonie bilden.

In Hamburg, das von der Größe mit Wien vergleichbar ist, wäre noch sehr viel neues Publikum zu finden, sagte Lieben-Seutter. Die Stadt sei kulturell verwöhnt, aber der Klassik hafte noch "ein etwas verstaubter Touch" an. "Die aber, die ins Konzert gehen, sind ein bisschen offener als in Wien."

"Jetzt geht's los"

"Jetzt geht's los" verkünden schon seit längerem Plakate in der Stadt, auf denen die neue Elbphilharmonie glänzt. Schon gestern, Sonntag, hatten die Hamburger eindrücklich ihre Verbundenheit zum neuen Wahrzeichen bekundet: Etwa 800 Interessierte waren zum Backsteinspeicher gekommen, um noch einmal vom 37 Meter hohen Dach zu blicken, bevor morgen die Maschinen beginnen, das Gebäude von oben zu entkernen.

Ursprünglich war dieser Ort, wo sich der Kaispeicher wie ein Schiffsbug vor der im Entstehen begriffenen Hafencity in die Elbe schiebt, eine der Keimzellen des Hamburger Hafens. Der ehemalige Kaiserspeicher war im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden, an seiner Stelle entstand zwischen 1963 und 1966 der Kaispeicher A. Der Schweißfußgeruch, der dem Inneren noch heute anhaftet, gehört zu den Bitterstoffen der Kakaobohnen, die hier gelagert wurden.

Innerhalb des Backsteinquaders werden ein Parkhaus und musikpädagogische Einrichtungen für die Jugend entstehen. Auf den Backsteinkubus wird nach Plänen der Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron ein Block mit geschwungener Glasfassade gesetzt, in dem die eigentliche Elbphilharmonie mit zwei Konzertsälen für 2.150 und 550 Besucher, ein Hotel und 45 Wohnungen zwischen 100 und 300 Quadratmetern entstehen. Für letztere sollen schon stapelweise Anmeldungen vorliegen, obwohl die Wohnungen laut Planern "das Preisniveau im oberen Bereich Hamburgs neu definieren werden". Das Gebäude wird dann mehr als doppelt so hoch sein wie jetzt, bis zu 110 Metern.

Von innen golden leuchtender Eingangsschlitz

Neben der Elbphilharmonie wird ein neuer Anleger gebaut, von den Landungsbrücken werden zukünftig die Schiffe auf den leuchtenden Kristall in der Elbe zuhalten. Dort wird ein von innen golden leuchtender, 2,80 Meter hoher Eingangsschlitz die Besucher "einsaugen", so sehen es die Architekten. Eine Rolltreppe bringt sie erst steil, dann flacher werdend auf das heutige Dach, das dann eine öffentliche Plaza unter dem Glaskubus sein wird.

Finanziert wird das 241 Millionen Euro teure Gebäude von der Stadt Hamburg, einem Investor und über Spenden: 30 Millionen hätten es werden sollen, jedoch sind bereits 64 Millionen Euro von privaten Mäzenen innerhalb eines Jahres zugesagt worden. Im Sommer 2010 soll das Unternehmen fertig sein und das erste Konzert in der neuen Elbphilharmonie gespielt werden. (APA)

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    visualisierung: herzog & de meuron
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