An der Schmerzgrenze: Folk-Legende Art Garfunkel in Wien

2. April 2007, 19:51
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Die blonde Hälfte des legendären und extrem erfolgreichen Folk-Duos Simon & Garfunkel gastierte mit Sohn James in Wien

Wien - Wenn Art Garfunkel sich nicht gerade wieder einmal mit Paul Simon für eine weitere Reunion-Tour ihres Duos Simon & Garfunkel zusammenrauft, damit locker zehn Tage lang den Madison Square Garden in New York ausverkauft und anschließend auch in der restlichen Welt in sich biegenden Hallen seine immer noch helle klare Stimme erhebt, bäckt auch er kleinere Brötchen.

Die blonde Hälfte des legendären und extrem erfolgreichen Folk-Duos aus den 1960ern trat am Sonntagabend in der kleinen Halle F der Wiener Stadthalle auf, wobei die hinteren Ränge gnädig verhängt worden waren, um den vielleicht 500 Fans den Eindruck eines irgendwie ja doch vollen Saals zu vermitteln. Nicht nur deshalb fragte man sich, ob der Mann denn keine anderen Hobbys habe, als sich das mit 65 Jahren noch anzutun - sich und dem Publikum. Denn wenn dieses Konzert eines belegte, dann dass Garfunkel ohne treibenden Partner bestenfalls wie eine Einladung ins Land der Träume wirkt.

In Bluejeans mit Bügelfalten und dunklem Umstandshemd stand er meist allein im Scheinwerfer, trug selbst verfasste Gedichte vor und schwindelte sich mit einem Ersatzprogramm weitgehend am Simon-&-Garfunkel-Werk vorbei. Wobei natürlich nur dort so etwas wie Begeisterung im Saal entstand. Garfunkel, ein grundsympathischer Typ, besitzt nur leider nicht die Gabe, besonders mitreißend zu sein. Das belegten Auszüge aus seinem neuen Album Some Enchanted Evening, auf dem er Klassiker des American Songbooks interpretiert, ebenso wie die Zusammenstellung seiner Live-Band - einer der größten Irrtümer, die man je auf Bühne erlebt hatte.

Tendenziell unterbeschäftigt, zerstörte diese bei erhöhter Herausforderung mittels dick aufgetragenen Synthie-Einsatzes jede noch so bescheiden errichtete Atmosphäre: Zum ohnehin schon dramatisch an der Schmerzgrenze angesiedelten El Condor Pasa (If I Could) synthetisches Panflötengezwitscher - ja, sogar die Slide-Gitarre (bei The Boxer) kam vom seelenlosen Tastenmann, fiel entsprechend blutleer und fast schon beleidigend aus. Dazu kamen Auftritte seines 16-jährigen Sohnes, James Garfunkel, die so etwas wie die bizarren Höhepunkte des Abends bildeten: Als Klein-James, unschwer als seines Vaters Sohn zu erkennen, mit süßester Mädchenstimme ein Solostück sang und dabei - von sich selbst arg bewegt - in die Knie ging, bogen sich nicht nur Teenager in der Reihe vor dem Rezensenten vor Lachen.

Auch andere im Saal hielten sich in diesem Moment die Bäuche und den Mund - wie einst, wenn der Klassennarr vorne an der Tafel wieder einmal ordentlich abstank. Auch als der Spross später für Cecilia im Glitzersakko den Paul-Simon-Part übernahm, war das nur eines: unfreiwillig komisch. Der längliche Rest: selten erlebte Fadesse! (Karl Fluch / DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2007)

  • Wenn der Vater mit dem Sohne... Art und James Garfunkel singen "Cecilia". Ja, das war recht seltsam.
    foto: standard/ newald

    Wenn der Vater mit dem Sohne... Art und James Garfunkel singen "Cecilia". Ja, das war recht seltsam.

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