"Abhängigkeit hat Bauern nie gut getan"

2. April 2007, 17:37
2 Postings

Biohof Adamah vertraut auf Direktvermarktung und nutzt die Nähe zu Wien

Glinzendorf – Gerhard Zoubek wollte nie Bauer werden. Das Jammern über die Politiker und Brüssel war nicht seins. Dann wechselte der gelernte Verkäufer von Landmaschinen doch die Seiten. Er übernahm mit seiner Frau den Hof der Schwiegereltern und arbeitete sich in zehn Jahren zu einem der größten Biobauern Niederösterreichs auf. "Die Branche braucht einfach mehr Quereinsteiger", sagt Zoubek und lacht.

Er holte sich einen Biologen und säte im ersten Enthusiasmus 73 verschiedene Sorten an Kürbis aus. Ein Hoffest brachte ihm die ersten Kunden. Heute stehen unter dem Dach seines Biohofs Adamah zwei landwirtschaftliche Betriebe und ein Vermarktungsunternehmen. Angebaut wird auf 70 Hektar von Getreide über Wurzelgemüse bis zu Ölfrüchten. Und 40 fixe Mitarbeiter setzen rund vier Millionen Euro um.

Adamah wächst in Glinzendorf im Marchfeld abseits der traditionellen Bioszene heran. Skeptiker, die meinten, Bio passe wohl besser in die Berge oder ins Waldviertel, hat Zoubek eines besseren belehrt. Er nutzte die Nähe zu Wien für die Direktvermarktung, liefert jede Woche mehr als 3000 Biokisterln aus, verkauft ab Hof und über Bauernmärkte. Zoubek: "Vielen ginge es besser, wenn sie sich fragen würden, wer das denn braucht, was sie produzieren, und nicht nur anbauen, was man halt so anbaut."

Ein Tabu sind für ihn Lieferungen an Handelsketten. Die Biobauern hätten es verabsäumt, eigene starke Vertriebsschienen zu gründen. Sie überließen damit das Geschäft den konventionellen Händlern, sagt er. "Da hat es an Mut und Investoren gefehlt." Früher seien die Bauern von Raiffeisen abhängig gewesen, jetzt seien sie es eben von Supermarktketten. "Und Abhängigkeit hat den Bauern nie gut getan."

Er kooperiere lieber "auf Augenhöhe" mit anderen befreundeten Landwirten, sagt Zoubek und vertraue auf die Mundpropaganda. Er ist davon überzeugt, dass Kunden bereit sind, mehr für biologische Lebensmittel auszugeben. Voraussetzung sei aber, ihnen den Mehrwert und die Mehrarbeit zu erklären.

Adamah lädt zweimal im Jahr zu Hoffesten, veranstaltet Kochkurse und Exkursionen. Allein von großangelegter Expansion hält Zoubek wenig. Lieber möchte er irgendwann seine eigene biologische Karotten-Haussorte züchten und auch künftig offen seine Meinung sagen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.04.2007)

  • Biobauer Gerhard Zoubek ist Quereinsteiger und träumt von der Zucht seiner eigenen biologischen Karotten-Haussorte.
    foto: standard/robert newald

    Biobauer Gerhard Zoubek ist Quereinsteiger und träumt von der Zucht seiner eigenen biologischen Karotten-Haussorte.

Share if you care.