Zahl der Analphabeten in China steigt rapide an

16. Juli 2007, 11:14
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Erfolgreiche Kampagnen wurden zu schnell eingestellt - Einführung des Schulgeldes stellt arme Familien vor enorme Probleme

Peking - Die Zahl der Analphabeten in China ist in nur fünf Jahren um über 30 Millionen auf 116 Millionen angestiegen. "Die Situation ist Besorgnis erregend", sagte Gao Xuegui, der Leiter des Amtes für den Kampf gegen das Analphabetentum im Erziehungsministerium in Peking nach Angaben der englischsprachigen Tageszeitung "China Daily" vom Montag. Analphabetismus sei nicht nur ein Bildungsproblem, sondern habe auch weit reichende soziale Auswirkungen. Vor allem arme Familien in dicht besiedelten, ländlichen Gegenden könnten es sich oft nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, sagte Gao. Jugendliche vom Lande verdienten eher als Arbeiter Geld, statt zur Schule zu gehen.

Erfolgreiche Kampagnen

Ein weiterer Grund für den Anstieg sei, dass frühere Kampagnen gegen Analphabetismus so erfolgreich gewesen seien, dass viele Provinzregierungen die dafür zuständigen Abteilungen wieder geschlossen hätten. Während 1990 noch 15,9 Prozent der über 15-Jährigen Analphabeten waren, war die Rate nach der letzten Volkszählung von 2000 auf 6,7 Prozent gefallen. Der rapide Anstieg seit 2000 bedeute, dass China sein Ziel verfehlen könnte, den Analphabetismus bis 2015 zu halbieren.

Zugang zu Bildung erleichtern

Um die Abteilungen zur Eindämmung des Analphabetismus wieder einzusetzen, hofft das Bildungsministerium in diesem Jahr auf einen Etat von 10 Millionen Yuan Renminbi (970.000 Euro), 2 Millionen Yuan (194.000 Euro) mehr als 2006. Darüber hinaus soll Frauen und Angehörigen von nationalen Minderheiten der Zugang zu Bildung erleichtert werden. Ministerpräsident Wen Jiabao hatte auf der Plenarsitzung des Nationalen Volkskongresses versprochen, Familien aus ländlichen Gebieten während der neunjährigen Schulpflicht von den Gebühren zu befreien.

Indien nach China

Als Analphabet gilt in China, wer weniger als 1500 Schriftzeichen beherrscht. Im Jahr 2000 kamen weltweit 11,3 Prozent der Analphabeten aus der Volksrepublik. Damit rangierte China direkt hinter Indien. 2005 war der Prozentsatz in China aber auf 15,01 angestiegen.

Anders als in der lateinischen Schrift geben die chinesischen Piktogramme nicht die Aussprache von Wörtern wieder, sondern bilden deren Inhalt ab. Der durchschnittliche chinesische Universitätsabsolvent beherrscht ungefähr 6000 Zeichen. Um eine Zeitung lesen zu können, müssen etwa 3000 beherrscht werden. Viele der annähernd 50.000 Piktogramme sind archaisch.

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    Knapp 15 Prozent der chinesischen Bevölkerung zählen zu den Analphabeten.

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