Margarete Hannsmann gestorben

3. April 2007, 11:02
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Schwer einzuordnen: Markenzeichen der Autorin waren ihre gebrochene Lyrik und ihre eigenwillige Sprache

Stuttgart - Die Schriftstellerin und Lyrikerin Margarete Hannsmann ist tot. Sie starb am Donnerstag im Alter von 86 Jahren in einer Klinik in Stuttgart an Herzversagen, wie der Künstler Peter Schlack - ein Freund von Hannsmann - am Freitag mitteilte. Er bestätigte damit einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung" vom Samstag. Hannsmann schrieb mehr als zwei Dutzend Bücher, Hörspiele und Reiseberichte sowie zahlreiche Kritiken. Die Schriftstellerin soll am 5. April auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart beigesetzt werden.

Der Name der Künstlerin wurde häufig nur im Zusammenhang mit ihrem kreativen Gefährten HAP Grieshaber genannt. Lange war Hannsmann mit dem Reutlinger Holzschneider liiert und gab auch eine Reihe Mappenwerke heraus.

Beeinflusst vom Altern

Hannsmanns gebrochene Lyrik und ihre eigenwillige Sprache - mal erzählend, mal experimentell, dann dokumentarisch oder subjektiv - war schwer einzuordnen. In den vergangenen Jahren wurde ihre poetische Sprache vor allem beeinflusst vom Altern und von den Erfahrungen der Einsamkeit: "Jetzt steht die Dunkelheit bevor/da gibt es keinen, der mich lehrt, sie zu empfangen."

Begegnung mit HAP Grieshaber

Der in Heidenheim/Brenz geborenen Lehrertochter war das Schreiben nicht in die Wiege gelegt: Nach dem Tod ihres Mannes, des Journalisten und Verlegers Heinrich Hannsmann, 1958 arbeitete die gelernte Schauspielerin zunächst als Lehrmittelhändlerin, Anzeigenverkäuferin und Puppenspielerin. Sie reiste mehrfach nach Griechenland und lernte dabei von ihrem Begleiter Johannes Poethen "das Handwerk des Schreibens". 1964 debütierte Hannsmann mit dem Gedichtband "Tauch in den Stein". Für die Autorin entscheidend war 1967 die Begegnung mit HAP Grieshaber. Aus dem Zusammenleben auf der Alb bei Reutlingen entstanden viele gemeinsame künstlerische Aktivitäten sowie ihr politisches und ökologisches Engagement.

Griechenland

Als erstes großes Gemeinschaftswerk erschien 1970 "Grob, fein + göttlich", in dem sie zu Grieshabers Holzschnitten zum Erhalt der Alb die Lyrik und Prosa schrieb. Aus häufigen Besuchen in der DDR entstanden 1972 "Das andere Ufer vor Augen" und 1976 "Buchenwald 30 Jahre später". Nach Grieshabers Tod im Mai 1981 lebte sie zunächst in Griechenland, über das sie mehrere Reiseberichte verfasste. Zuletzt erschienen im Jahr 2000 das Werk "Protokolle aus der Dämmerung 1977-1984. Begegnungen und Briefwechsel zwischen Franz Führmann, Margarete Hannsmann und HAP Grieshaber".

Die Stadt Aalen ehrte Hannsmann 1976 mit dem Schubartpreis, 1981 erhielt sie den Literaturpreis der Stadt Stuttgart und ein Jahr später das Bundesverdienstkreuz. (APA/dpa)

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    Margarete Hannsmann
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