Wotrubas-100. Geburtstag von Streit überschattet

2. April 2007, 10:56
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Schiedsgerichtsverfahren vor geplanter Auflösung des Wiener Wotruba-Vereins - Ausstellungen im Belvedere, in Zug und München

Wien - Am 23. April jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von Fritz Wotruba (1907-1975). Im Belvedere, in Zug und München erinnern heuer große Ausstellungen an den bedeutenden österreichischen Bildhauer. Überschattet wird das Gedenkjahr von Streitigkeiten um das Erbe des Künstlers, das vom Fritz Wotruba-Verein bzw. der Fritz Wotruba-Privatstiftung in Wien verwaltet wird sowie von einer Stiftung in Liechtenstein, wo der Künstler sein Vermögen steuersparend angelegt hatte.

Die Wiener Anwältin Christa Homan, die Tochter von Wotrubas früherem Anwalt und Vereinsgründer Karl Leutgeb, will in einem Schiedsgerichtverfahren Licht in die Vermögensverhältnisse des Vereins und der Stiftungen bringen. Ihrer Ansicht nach müsste auch das Vermögen der Liechtensteinischen Stiftung "Promotion of Modern Sculpture Vaduz" in den Wiener Wotruba Verein eingebracht und für die Errichtung eines Wotruba-Museums verwendet werden, für das laut dem Testament von Wotrubas Witwe Lucy das Gesamtvermögen des Künstlers aufgebracht werden müsse.

Wotruba-Verein soll aufgelöst werden

Homan kämpft vor allem gegen die geplante Auflösung des Wotruba-Vereins zu Gunsten der 2004 gegründeten Wiener Stiftung, da der Verein Gesamterbe nach Lucy Wotruba, die Wotruba-Stiftung aber nicht Rechtsnachfolger des Vereins sei und somit keinen Zugriff auf das Liechtensteinische Vermögen habe. Bis zur Abhaltung des Schiedsgerichtsverfahrens wird der Verein jedenfalls noch nicht aufgelöst, erklärte Vereinspräsident Wilfried Seipel, dem Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM). Das Vereinsvermögen werde aber bereits in den kommenden Wochen der Wiener Stiftung übertragen. Dieser würden daraufhin noch 500.000 Euro von der Vaduzer Stiftung nachgestiftet, die sich danach auflösen werde.

Homan wird "vereinsschädigenden Verhalten" vorgeworfen

Homan selbst wurde mittlerweile aus dem Wotruba-Verein ausgeschlossen - "wegen vereinsschädigenden Verhaltens", wie Seipel bestätigte. Denn auf Grund eines vergangenen November laut Seipel von Homan "lancierten" "News"-Artikels über mutmaßliche "Vermögensverschiebungen gewaltigen Ausmaßes" hatte die Staatsanwaltschaft Recherchen wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet.

Die Vaduzer Stiftung, die nach Medienberichten Anfang der 80er Jahre über zumindest 22,9 Mio. Schilling verfügte, hat laut Seipel daraufhin sowohl der Staatsanwaltschaft als auch dem Verein eine Vermögensauflistung übermittelt. Nach Angaben der Stiftungsrätin und früheren Wotruba-Vertrauten Christa Kamm, die zugleich Vizepräsidentin des Vereins ist, sei mit den nachzustiftenden 500.000 Euro das Liechtensteinische Stiftungsvermögen ausgeschöpft. "News" musste inzwischen eine Gegendarstellung abdrucken, in der u.a. ein etwaiger Einfluss der Vereinsauflösung auf das Liechtensteinische Vermögen negiert wird.

Ein Termin für das Schiedsgerichtsverfahren steht noch nicht fest, als Vorsitzender wurde seitens des Vereins der Anwalt Michael Enzinger beantragt. Homan weist unter anderem darauf hin, dass in den Statuten der Wiener Wotruba-Stiftung im Unterschied zum Wotruba-Verein nicht mehr von der Errichtung eines eigenen Wotruba-Museums die Rede ist, sondern nur mehr von einer permanenten Ausstellung wesentlicher Werke "in einem Museum in Wien". Lucy Wotruba hatte eine Döblinger Villa in der Felix-Mottl-Straße 10 als Museum vorgesehen. Der Verein hat das Objekt jedoch 2004 um 1,8 Mio. Euro verkauft, weil der Betrieb nicht zu finanzieren gewesen sei. (APA)

Ausstellungen im Belvedere, in Zug und München

Zu Wort gemeldet haben sich in dem Zusammenhang nun auch die Kurien des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst, zu dessen Mitgliedern Wotruba zählte. Anlässlich des 100. Geburtstags erwarten die Mitglieder "entsprechende Veranstaltungen, die die internationale Bedeutung dieses österreichischen Bildhauers hervorheben". Die politischen Institutionen werden in einer Aussendung aufgefordert, Wotrubas künstlerisches Erbe "endlich im Rahmen öffentlicher Sammlungen entsprechend zu sichern".

Neue Heimstätte im 20er Haus

Geplant ist, Wotrubas Nachlass im zum Belvedere gehörenden umgebauten 20er Haus unterzubringen, dessen Wiedereröffnung für 2008 vorgesehen ist. Ein Teil der Arbeiten soll laut Wilfried Seipel in einem etwa 400 Quadratmeter großen "Schau-Depot" gezeigt, ein anderer in wechselnder Aufstellung in die ständige Sammlung integriert werden. "Eine entsprechende Würdigung und ausreichende Präsentation wird sicher gestellt sein", betonte Seipel gegenüber der APA. Der Entwurf des für den Umbau verantwortlichen Architekten Adolf Krischanitz sei "eine sehr gute Lösung". Mit dem demnächst auf die Wiener Stiftung übertragenen Vereinsvermögen werde nicht nur der Umbau, sondern auch der Betrieb unterstützt.

Im Oberen Belvedere wird an Wotrubas Geburtstag am 23. April die Sonderausstellung "Einfachheit und Harmonie" (bis 23. Juni) mit Wotrubas Frühwerk eröffnet, die in Zusammenarbeit mit dem Wotruba-Verein organisiert wird. Initiiert wurde sie von der neuen Belvedere-Direktorin Agnes Husslein - Seipel wollte eigentlich die Schau "Zeichnungen und Steine" nach Wien holen, die ab 27. September (bis 25. November) in der Münchner Pinakothek der Moderne gezeigt wird. Im Kunsthaus Zug, das die Sammlung Kamm beherbergt, startet am 6. Mai die Ausstellung "Skulptur ohne Eigenschaften" über die Entstehung und das geistige Umfeld von Wotrubas Werk (bis 19. August).

Sowohl zur Münchner als auch zur Zuger Ausstellung steuert der Wiener Wotruba-Verein Leihgaben bei. Immer wieder bestreitet der Verein auch kleinere Präsentationen. So gab es zum 30. Todestag 2005 zwar keine Ausstellung in Wien, aber eine Schau im Österreichischen Skulpturenpark in Unterpremstätten bei Graz, außerdem wurden Wotruba-Arbeiten in die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Elias Canetti in der Grazer Neuen Galerie eingebunden. Derzeit sind in der Salzburg Stiftung der American Austrian Foundation in Schloß Arenberg Skizzen von Wotrubas szenischer Arbeit für Sophokles' "König Ödipus" 1965 bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

TV-Porträt am 22. April

Im Fernsehen wird Fritz Wotruba mit einem TV-Porträt gewürdigt. Die ORF/3sat-Produktion mit dem (Arbeits-)Titel "Ich bin eine Genie wie Mozart" wird am 22. April um 18.30 Uhr auf 3sat und tags darauf, an Wotrubas Geburtstag, um 23.30 Uhr auf ORF 2 im Rahmen von "art.genossen" gesendet. (APA)

  • Fritz Wotruba, Große Sitzende (Kathedrale),1949
    foto: belvedere

    Fritz Wotruba, Große Sitzende (Kathedrale),1949

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