Zugeparkt

5. April 2007, 18:59
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Manchmal hilft wirklich nur die Polizei – aber wenn die Beamten das falsche Formular erwischen, könnte das auch unangenehm werden

Es war am Donnerstag. Da habe ich wieder einmal die Polizei gerufen. Nicht, weil mir das Spaß macht, sondern weil die Alternative wohl Bundesheer geheißen hätte: Bergepanzer. Oder Sprengkommando. Weil man Autos, die einem die Einfahrt zuparken ja nicht wegmeditieren kann.

Nicht, dass ich kein Verständnis dafür hätte, wenn einer kurz in einer Garageneinfahrt hält, um auf den Stadtplan zu schauen. Oder Tschick aus dem Automaten zu ziehen. Oder sein Kind in den Kindergarten schaufelt. Und weil ich auch weiß, dass das Bedürfnis nach Bier oder Peckerl manche Zeitgenossen urplötzlich und unbekämpfbar befällt, schau ich eh zuerst zum Wirten und zum Tätowierer.

Zweimal pro Woche

Aber am Donnerstagabend nutze das alles nix: Der blaue Wagen verparkte die Einfahrt – und keiner der rein wollte konnte mehr rein. Und was blöder war: Auch die, die raus und nach Hause mussten (die Hackler vom Nachbarn etwa) oder wollten (ich) steckten fest. So wie etwa zweimal pro Woche. Außer 122 bleibt da nicht viel Spielraum.

Die Polizisten seufzten. Sie kennen, sagten ihre Mienen, mittlerweile jede einzelne Garageneinfahrt in ihrem Rayon besser als ihre Spinde. Aber weil es in so einem Fall immer einen „Geschädigten“ oder „Beschwerdeführer“ braucht, (weil, sagte einer der beiden ausnehmend netten Herrn: „Sonst wieder einer behauptet, wir würden nur Anzeigen schreiben, um die Leute zu quälen“) scribbelten sie halt meinen Namen, meine Adresse, mein Autokennzeichen und sonst noch alle lebenswichtigen Daten auf die Anzeige. Sowohl die Polizisten als auch ich kennen das Spiel auswendig – dementsprechend aufgeregt verlief die Amtshandlung.

Durchschlag

Bis einer der beiden sagte: „Hast du eh nicht die falschen Durchschläge erwischt?“ Weil wenn ja, ächzte der Zettelausfüller, müsse er das ganze Schreibzeug noch einmal machen. Und – Bingo – natürlich waren im Wagen die „falschen“ Formulare gelegen. Die Cops fluchten. Ich fragte.

Und während der eine den Anzeigewisch noch einmal ausfüllte, erzählte sein Kollege, dass da irgendwann eine ziemlich große Charge fehlerhafter Parkanzeigenformulare geliefert worden sei. Oder gerade aus dem Verkehr gezogen werde: Normalerweise solle nämlich der Name des Anzeigenden nicht auf jenem Durchschlag stehen, der dem „Bösewicht“ hinter die Windschutzscheibe gesteckt wird. „Weil“, so der Polizist, „es nicht jeder mit Humor nimmt, wenn er sein Auto in Simmering zurück bekommt. Und wenn da Name, Adresse, Telefonnummer und Autokennzeichen des Anzeigers drauf stehen, kann das blöd werden.“

Restexemplare

Darum sei dort, wo die Polizei für ihre Unterlagen den Geschädigten eintrage, am Durchschlag des Angezeigten nix zu lesen. Normalerweise. Aber blöderweise, so der Polizist, sei da eine Ladung Anzeigenblöcke so gedruckt worden, dass auch dieser Part schön durchgeschrieben wird. Und obwohl die eigentlich aussortiert werden sollten, würden Restexemplare mit schöner Regelmäßigkeit in den amtlichen Drucksorten auftauchen. Wie zum Beweis hielt er mir „meine“ Anzeige unter die Nase. „Wir passen auf und kontrollieren das lieber zweimal – aber fragen´s in der näheren Zukunft lieber nach, wenn sie wieder zugeparkt werden.“

Als der Falschparker dann – eine knappe Stunde später – endlich auf dem Abschleppwagen stand („Tschuldigung, aber wir kommen einfach nicht mehr mit der Arbeit nach ...“, sagten die Magistratsknabnen) gab mir einer der über fast zwei Stunden am Heimfahren gehinderten Arbeiter einen Tipp: „Kauft euch ein Schild auf dem „Achtung Arztausfahrt“ steht – das ist das einzige, was wirkt. Nicht, aus Rücksicht vor Notfällen. Das ist allen wurscht. Aber die Leute wissen, dass diese Einfahrten bei den Abschleppdiensten vorgereiht werden.“ (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 2. April 2007)

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