Nahrhafte Geschäfte: Angereichertes Essen

1. April 2007, 19:32
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Functional Food ist die Antwort der Giganten in der Nahrungsindustrie auf die Überflussgesellschaft, der Konsument bleibt misstrauisch

Wien - Der Markt für Functional Food verzeichnet seit Jahren zweistellige Wachstumsraten. Unter Functional Food werden Lebensmittel verstanden, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert werden. Damit, so das Versprechen, wird ein positiver Effekt auf die Gesundheit erzielt.

Die international am häufigsten auftretenden "funktionellen" Lebensmittel sind Joghurts oder andere Milchprodukte, denen probiotische Milchsäurebakterien zugesetzt wurden. Dieser Zusatznutzen, der, wie die Werbung gerne betont, durch Studien erhärtet wurde, soll die natürliche Darmflora verbessern oder Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Schwächen oder Osteoporose vorbeugen.

Salz mit Jod

In Österreich ist das bekannteste und älteste Produkt dieser Art Salz, dem Jod beigemengt wird. Mittlerweile gibt es eine Fülle solcher Functional-Food-Produkte, bei denen Omega-3-Fettsäuren oder sekundäre Pflanzenstoffe zugesetzt wurden. Erstere sollen den Cholesterinspiegel senken, Letzteren wird außerdem die Bekämpfung freier Radikaler zugeschrieben.

Der Fantasie sind den Nahrungsmittelherstellern bei Functional Food kaum Grenzen gesetzt. Allerdings liegen die Probleme im Detail: Die Hersteller müssen sich in dem unscharfen Bereich zwischen Gesundheitsförderung und Krankheit ansiedeln. In der Werbung dürfen nämlich keine krankheitsbezogenen Aussagen getroffen werden, und die gesundheitsfördernden Werbeslogans müssen untermauert sein. Auch darf beispielsweise nicht damit geworben werden, dass ein Lebensmittel ein Kind vor Osteoporose im Alter schützt. Als Grundlage dient die EU-Lebensmittelverordnung.

Die hohen Kosten, die mit Entwicklung, Zulassung und Marketing von Functional Food verbunden sind, haben es mit sich gebracht, dass vor allem die großen Player auf dem Lebensmittelmarkt darauf setzen. Nestlé, Unilever und Danone haben entsprechende Forschungseinrichtungen geschaffen.

Wachsende Umsätze

Die Umsätze, die in diesem Segment gemacht werden, sind auch beachtlich und wachsen Jahr für Jahr zweistellig. In Europa wird mittlerweile zwischen vier und fünf Mrd. Euro damit umgesetzt; für Österreich gibt es keine entsprechenden Zahlen. Allerdings ist bekannt, dass hierzulande ein gutes Fünftel aller Umsätze im Bereich "bunter" Milchprodukte (also Milchdrinks, Joghurts, Milchdesserts) mit Zusätzen angereichert sind. Rund 60 Mio. Euro macht in Österreich der Gesamtumsatz mit "bunten" Milchprodukten im Jahr aus.

Grundsätzlich aber schlägt in Österreich dem Trend eine gewisse Portion Skepsis entgegen, so eine Studie, die ACNielsen 2005 angefertigt hat. Als Grund wird mangelnder Glauben an den Gesundheitsnutzen angegeben. Lieber greift man zu dem entsprechenden Bioprodukt, dem die gesundheitsfördernden Eigenschaften eher zugesprochen werden. Zu Functional Food greifen eher Frauen als Männer, und zwar die mit höherem Alter und höherem Einkommen. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass Functional-Food-Produkte teurer sind als ihre Pendants ohne Zusätze. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.4.2007)

  • Joghurts, die Erhalt und Förderung der Gesundheit versprechen.
    foto: standard/hendrich

    Joghurts, die Erhalt und Förderung der Gesundheit versprechen.

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