Nicht nur Medikamente

26. Juli 2007, 13:24
7 Postings

Mit einem Methodenmix ist Schizophrenie heute gut behandelbar, bis vor zwanzig Jahren wurde ausschließlich mit Psychopharmaka behandelt

Betroffene werden mit einer Kombination aus Antipsychotika, Psycho- und Soziotherapie behandelt. Das Problem bei Medikamenten sind ihre Nebenwirkungen, etwa Gewichtszunahme, Stoffwechsel- und Sexualstörungen oder motorische Beeinträchtigungen. "Es muss ein ständiges Abwägen zwischen Nebenwirkungen und individuellem Nutzen für den Patienten erfolgen", erklärt Wolfgang Fleischhacker, Psychiater an der Universitätsklinik Innsbruck.

Lebensqualität im Vordergrund

Dabei, so Fleischhacker, sei die Abstimmung mit den Patienten ganz wesentlich. "Psychopharmaka schützen Betroffene ja vor psychotischen Episoden, die mitunter massive soziale Konsequenzen haben", erklärt Fleischhacker weiter. Arbeitsplatzverlust und Beziehungsabbrüche gälte es absolut zu verhindern. Während früher versucht wurde, Symptomfreiheit um jeden Preis zu erreichen, steht heute die Lebensqualität der Patienten im Vordergrund. Das bedeutet, dass das Ziel auch sein kann, lediglich eine Erleichterung der Symptome zu erreichen.

Kognitive Verhaltenstherapie

Einen gute Grundlage, um mit den Symptomen der Erkrankung zurechtzukommen, wird mit der Psychotherapie geschaffen. Besonders die kognitive Verhaltenstherapie hat sich als erfolgreich erwiesen. Entscheidende Ziele: Eine Umdefinition wahnhafter Überzeugungen, das Erlernen von Techniken zum Stressmanagement und die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung.

Psychoedukative Gruppenprogramme

Denn wer seine Anfälligkeiten kennt, kann Rückfälle vermeiden. Studien haben die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie auch bei akuten Psychosen festgestellt. Die Psychoanalyse hat sich für Schizophrenie-Erkrankte übrigens als nicht hilfreich erwiesen, Erfolge werden hingegen mit psychoedukativen Gruppenprogrammen erzielt. Zentral dabei ist, dass Patienten und Angehörige genau über die Krankheit Bescheid wissen.

Für ein selbstbestimmtes Leben

Zudem fördert die Arbeit in Selbsthilfegruppen nicht nur die Solidarität, vor allem der Austausch untereinander wird von Betroffenen als hilfreich erlebt. Für ein selbstbestimmtes Leben leisten psychosoziale Vereine, die ambulante Unterstützung und Krisenintervention bieten, einen wichtigen Beitrag. (nako/MEDSTANDARD/02.04.2007)

  • Therapie in der Gruppe wird von Betroffenen als etwas Positives erlebt.
    foto: medstandard

    Therapie in der Gruppe wird von Betroffenen als etwas Positives erlebt.

Share if you care.