Faymann färbt um - Machtwechsel in Seibersdorf

30. April 2007, 13:39
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Nach sechs Jahren Schwarz-Blau bahnt sich an der Spitze der Austrian Research Centers in Seibersdorf ein Wechsel an

Wien - Knapp drei Monate nach der Regierungsbildung nimmt die Personalpolitik im Forschungszentrum Seibersdorf Gestalt an. Den Anfang macht der Haupteigentümer, das Infrastrukturministerium (50,46 Prozent), bei der Aufsichtsratsspitze der im Vorjahr in finanzielle Turbulenzen geratenen Austrian Research Centers (ARC). Als fix gilt: Die Tage von Ex-ÖIAG-Vorstandsmitglied Rainer Wieltsch an der Spitze des ARC-Aufsichtsrats sind gezählt.

Die Suche nach einem Nachfolger fallen Infrastrukturminister Werner Faymann und seiner für Forschung zuständigen Staatssekretärin Christa Kranzl (beide SPÖ) offensichtlich nicht leicht. Denn vorige Woche gab es die erste prominente Absage für den traditionell von der Syndikatsgruppe B, also aus den Reihen der Industrie-Miteigentümer, gestellten ARC-Präsidenten: Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer will nicht. "Wenn man das ernst nimmt, braucht man im ersten Jahr einen Tag in der Woche für Seibersdorf", sagt Ederer auf Standard-Anfrage, "den habe ich zur Zeit aber nicht."

Zeitaufwändig und undankbar

Einen Korb bekommen haben die neuen roten Machthaber auch bei Edeltraud Stiftinger geholt, bis Februar zweite Geschäftsführerin des ZIT, des Zentrums für Innovation und Technologie. Stiftinger ist seit Anfang März Innovationschefin bei Siemens Österreich.

Abgelehnt haben soll die als undankbar und vor allem zeitaufwändig beschriebene ARC-Präsidentschaft dem Vernehmen auch ÖBB-Personenverkehr-Vorstandsmitglied Wilhelmine Goldmann.

Letzte Hoffnung

Bleibt als vorerst letzte Hoffnung Viktoria Kickinger. Die Generalsekretärin in der Post AG (zuvor Kommunikationschefin in ÖIAG und der ÖBB unter Helmut Draxler) strebt offenbar nach höheren Weihen, sie hatte sich im Vorjahr für die ORF-Generaldirektion beworben. Dass Kickinger ARC-Präsidentin werden soll, stellt Faymanns Kabinettchef Josef Ostermayer am Sonntag in Abrede; detto das seit Wochen kursierende Gerücht, Kickinger solle neben Hans Rinnhofer und Erich Gornik dritte Geschäftsführerin und Sprecherin der ARC-Gruppe werden - und nach sechs Jahren Blau-Schwarz für Ordnung sorgen. Da der Bund die Mehrheit an ARC hält, muss eine Aufstockung der Geschäftsführung freilich ausgeschrieben werden. "Dann steht es Frau Kickinger selbstverständlich frei, sich zu bewerben", betont ein Sprecher Faymanns. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.04.2007)

  • Die Tage von Aufsichtsratspräsident Rainer Wieltsch sind gezählt. Die Suche nach einem Nachfolger ist allerdings schwieriger als erwartet.
    foto: standard/fischer

    Die Tage von Aufsichtsratspräsident Rainer Wieltsch sind gezählt. Die Suche nach einem Nachfolger ist allerdings schwieriger als erwartet.

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