Auf der Suche nach dem richtigen Kino

1. April 2007, 17:55
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Peter Greenaway wird 65: Mit der tiefschwarzen Komödie "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" hatte er seinen größter Publikumserfolg

London - Wenn Peter Greenaway Recht hat, dann sehen die weitaus meisten Kinobesucher die falschen Filme. Auch, weil es die "richtigen" bisher kaum gibt. Das "richtige Kino" nämlich, lehrt der britische Regisseur und Experimentalkünstler, müsse erst noch erschaffen werden. Darum bemüht sich Greenaway, der am Donnerstag (5. April) 65 Jahre alt wird, nach Kräften.

Skandalös

Seinen größten Publikumserfolg hatte er 1989 mit der tiefschwarzen Komödie "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber". Wegen kannibalistischer und sexueller Szenen galt der Streifen mit Helen Mirren, Richard Bohringer und Michael Gambon als "skandalös" - was ihm mehr Zuschauer einbrachte als anderen Greenaway-Werken.

Obszön

Kritikerlob erntete der 1942 in Wales geborene Regisseur, der als einer der wichtigsten Experimentalfilmemacher angesehen wird, auch für Filme wie die Shakespeare-Adaption "Prosperos Bücher" (1991), die obszöne Kirchensatire "Das Wunder von Macon" (1993) und "8 1/2 Women", eine Hommage an Federico Fellinis Meisterwerk "8 1/2".

Dunkel

Anerkennung fand bereits Greenaways Spielfilmdebüt "Der Kontrakt des Zeichners" (1982). Im Mittelpunkt dieses Krimi-Puzzles steht ein Maler im England des 17. Jahrhunderts. Er gerät in eine Mordintrige, deren Schlüssel in seinen Zeichnungen versteckt ist.

Hybrid

Vorher hatte Greenaway sich als avantgardistischer Kurzfilmer betätigt. Bereits dabei zeigte sich, wie das Multitalent nach dem Modell für ideale Filme suchte. Dies sollten "hybride Werke" sein, erklärte er 1999 in einem Interview, "in denen sich Malerei, Literatur, Musik, Architektur, Theater und Fotografie begegnen".

Anders

Sein Ziel, die Sprache und Erscheinungsform des Films möglichst vollkommen neu zu gestalten, verlangt dem Zuschauer viel ab. Ohne volle Konzentration auf Details, auf scheinbar Nebensächliches in langen Totaleinstellungen, läuft er Gefahr, die Handlung zu verpassen. Das Kino, lehrt Greenaway, müsse von der "Tyrannei" herkömmlicher Gestaltungsmittel befreit werden. Dazu zählt er nicht nur die Dialoge, die Schauspielerführung und den Bildausschnitt, sondern auch die Kamera, die zurückhaltender und neutraler agieren müsse.

Schön

Die Dimension seines künstlerischen Anspruchs wird auch bei seinem jüngsten, noch unvollendeten Projekt deutlich. Mit "The Tulse Luper Suitcases" versucht der Experimentiermeister eine filmische Verarbeitung der Geschichte des 20. Jahrhunderts in 16 Episoden, die sich aus dem Inhalt von 92 über die Welt verteilten Koffern des "Berufsgefangenen" Tulse Luper speisen. Der Bogen spannt sich von der Entdeckung des Urans bis zum Fall der Berliner Mauer. (APA/dpa)

  • Das Ziel des Regisseurs, die Sprache und Erscheinungsform des Films möglichst
vollkommen neu zu gestalten, verlangt dem Zuschauer viel ab.
    foto: epa/eduardo botella

    Das Ziel des Regisseurs, die Sprache und Erscheinungsform des Films möglichst vollkommen neu zu gestalten, verlangt dem Zuschauer viel ab.

  • Wegen kannibalistischer und sexueller Szenen galt "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" mit Helen Mirren, Richard Bohringer und Michael Gambon als "skandalös".
    foto: imdb

    Wegen kannibalistischer und sexueller Szenen galt "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" mit Helen Mirren, Richard Bohringer und Michael Gambon als "skandalös".

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