Zielscheibe Automobil

3. April 2007, 18:03
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Geht es um Umweltschäden, wird gerne auf das Auto gezeigt - Trotz der vielen anderen Verursacher von Luftschadstoffen nicht zu unrecht

Im Grunde kann sich jeder Emittent leicht aus der Gesamtverantwortung herausrechnen, man muss den Kuchen in nur möglichst viele kleine Segmente zerteilen, und schon ist fast keiner mehr schuld. So geht es natürlich nicht, auch das Auto muss seinen Beitrag zur Umweltschonung leisten. Am schönsten wäre es natürlich, wenn es eine Patentlösung gäbe.

Wenn man die Rettung der Welt quasi einfach auf ein kommendes Wasserstoffzeitalter verschieben könnte, in dem dann alle Probleme sowieso ganz klein sind, weil Wasserstoff ja so genial ist. Das wäre ein ähnlicher Irrtum wie in den Sechzigerjahren, als man glaubte, mit Atomkraft wäre man energiemäßig für alle Zeiten aus dem Schneider.

Biogene Kraftstoffe

Es wäre auch nicht zielführend, alle Hoffnung auf nachwachsende Kraftstoffe zu setzen. Es ist nicht möglich, die menschliche Mobilitätsneurose ausschließlich mit Raps und Co zu betreiben. Österreich wäre theoretisch in der Lage, drei Prozent des Kraftstoffbedarfs aus Feldfrüchten zu decken, in Wirklichkeit ist es gerade einmal ein Prozent. Trotzdem ist es sinnvoll, in die globalen Überlegungen zum Ersatz fossiler Kraftstoffe auch Biokraftstoffe einzubeziehen.

Benzin und Diesel bekommen zusehends Konkurrenz. Jetzt einmal durch Erdgas und die steigende Beimischung biogener Kraftstoffe. Der Kraftstoffmarkt ist nämlich unheimlich interessant für alle, die Produkte anzubieten haben, die brennen.

Aus Überschuss wird Nachfrage

Allein durch die Tatsache, dass die EU beschlossen hat, dem Benzin Ethanol und dem Diesel Rapsöl beizumengen, kehrt sich in der Landwirtschaft einiges um: Aus einem Überschussmarkt wird ein Nachfragemarkt, wie das Landwirtschaftsministerium bestätigt. Die ethische Komponente des Verbrennens von Lebensmitteln darf aber nicht übersehen werden. Das Fahren mit reinem Salatöl kann zwar individuell und in eingeschränktem Rahmen Sinn machen, eine Lösung im großen Stil ist das aber nicht.

Auch Elektroautos mögen punktuell sinnvoll sein. Als großer Lösungsansatz sind sie im Moment jedenfalls nicht zu sehen. Insgesamt bestimmen auch die Interessen von Lobbys den Weg, nicht zwangsweise im Sinne einer Umweltverbesserung.

Fatale Entwicklung

Die Autoindustrie ist in der Lage, noch Enormes für eine bessere Umwelt zu leisten. Neben schärferen Abgaslimits gilt es, den grundsätzlichen Zugang zum Auto zu überdenken. Die Gewichtsspirale hat in den vergangen zwei Jahrzehnten beständig nach oben gezeigt. Hier muss der Zugang zum Auto neu definiert werden. Der Trend zum Panzer kann nicht beliebig fortgeführt werden.

Auch die Verkehrsinfrastruktur trägt wesentlich dazu bei, ob wir viel mit dem Auto fahren (wollen, müssen) oder wenig. Bisher haben die Möglichkeiten zur Mobilität, die uns das Auto bot, auch die Mobilitätsentwicklung bestimmt.

Autos überlisten

Daraus ergibt sich, dass wir täglich im Schnitt zwar gleich lang in die Arbeit fahren wie vor hundert Jahren, sich die Wege allerdings durch die Möglichkeiten des Automobils verzigfacht haben. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, aber wir müssen das Auto mit Schlauheit überlisten, damit wir übers Auto bestimmen und nicht die Möglichkeiten des Automobils über uns.

Eine klügere Raumplanung mit längerfristigen Perspektiven muss den Wildwuchs von Siedlungen, Industriegebieten und Einkaufszentren eindämmen. Es kann nicht sein, dass jeder Bürgermeister versucht, dem anderen die Steuerzahler wegzuschnappen, ohne an die gewaltigen negativen Auswirkungen für die Umwelt zu denken. ENDE DER SERIE (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL, 30.3.2007)

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