"Mein Leben ist das Singen"

27. Juli 2000, 10:55

Sandra Kreislers politisches Engagement kostete sie den Job

Klagenfurt - Vor sechs Jahren hat sich Sandra Kreisler dem Chanson verschrieben und ist seither mit verschiedenen Programmen europaweit und in den USA auf Tournee gewesen.

Warum sie sich einem nicht gerade massenträchtigen Genre verschrieben hat, begründet Kreisler im Interview so: "Mein Leben ist das Singen und ich brenne für das Chanson." Dazu engagiert sich Sandra Kreisler aktiv bei SOS-Mitmensch, wo sie als stellvertretende Obfrau tätig ist.

"Art von Hassliebe"

Georg Kreisler war im März 1938 vor den Nazis aus Österreich in die USA geflüchtet, von wo er 1955 als US-Staatsbürger zurückkehrte. Auch Sandra Kreisler, Tochter von Georg Kreisler und Topsy Küppers, ist amerikanische Staatsbürgerin, lebt aber in Wien. Ihre Beziehung zu Österreich beschreibt die Jüdin als "eine Art von Hassliebe". Was die zweisprachig Aufgewachsene dazu bewogen hat, hier zu bleiben, ist unter anderem ihr sehr starker Bezug zur deutschen Sprache. Kreisler: "Darum bin ich auch beim Chanson gelandet und speziell bei Liedern meines Vaters."

Warum sie Georg Kreisler singt, mit dem sie eigenen Angaben zufolge seit zehn Jahren keinerlei Kontakt mehr hat, erklärt die Künstlerin mit der "den Liedern zu Grunde liegenden Weisheit", mit der "sehr klugen Musik" und der Tatsache, "dass man sie immer wieder hören kann und immer wieder etwas Neues entdeckt". Insbesondere hat sie sich den weniger populären Liedern Georg Kreislers zugewendet. Gassenhauer wie das Chanson "Tauben vergiften im Park" finden sich im Programm der Sängerin nicht. Stattdessen singt sie Nummern wie "Mein kleines Mädele", "Weder noch" oder "Zu leise für mich", melancholische Lieder mit sehr nachdenklichen Texten.

Politisches Engagement kostete Job

Sandra Kreisler ist aber auch politisch aktiv, sie engagiert sich sehr stark bei der Plattform SOS-Mitmensch. "Mein politisches Engagement hat mich auch schon einmal einen guten Job gekostet", erinnert sie sich. Am 23. Jänner 1993, am Tag des "Lichtermeers" in Wien, richtete sie in ihrer Funktion als Moderatorin von "Talk Radio" einen Aufruf an die HörerInnen, das AusländerInnen-Volksbegehren der FPÖ nicht zu unterschreiben. Tags darauf war sie die Moderation los und einige Monate lang "gesperrt".

Das hinderte die Künstlerin nicht daran, sich weiter zu engagieren. Die derzeitige politische Situation in Österreich betrachtet sie "mit einiger Besorgnis". Die Protestaktionen gegen die Regierung Schüssel hält sie für "wichtig und notwendig", meint aber auch: "Ich glaube, es wird in der nächsten Legislaturperiode wieder eine blau-schwarze Regierung geben, da gibt es bereits Absprachen in diese Richtung." Für die KünstlerInnen in Österreich sei die Lage nicht einfach, doch "so richtig toll ist es vor dem Regierungswechsel ja wohl auch nicht gewesen", gibt Kreisler zu bedenken. Was sie bedenklich findet, ist, dass "der Widerstand medial völlig abgewürgt wird", die Diskussion um die so genannten Sanktionen der EU-Staaten gegen Österreich alles Andere überlagern würden. (APA)

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