Urheberschutz: Privatkopieabgabe vs. DRM

11. Jänner 2008, 18:13
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Kreative und Konsumenten vereinigen sich in Frankreich gegen DRM und fordern eine Flatrate

Rund 50 Organisationen aus der Kulturbranche sowie Verbraucherschützer haben sich in Frankreich unter dem Logo "la culture avec la copie privee" (Kultur mit Privatkopie) zusammengeschlossen, um gegen die Desinformationspolitik der EU und der Industrie in Sachen Privatkopie zu protestieren. Die Vertreter der Kreativen und Verbraucher unterstrichen bei einer gemeinsamen Veranstaltung in Paris die Wichtigkeit des Rechts auf Privatkopie für die kulturelle Vielfalt. Gleichzeitig äußerten sie sich lautstark gegen die angeblich von der EU auf Druck der Elektronikindustrie geplanten Abschaffung der Abgabe für Privatkopien auf Leermedien.

Egal

Der Deutsche Rock- und Pop-Musikerverband (DRMV) steht einer Abschaffung der Privatkopieabgabe gleichgültig gegenüber. "Für die talentierten, jungen Musiker, die sich nicht unter die großverdienenden Gassenhauerkomponisten reihen, wird sich nichts ändern, denn im Gegensatz zu Frankreich, fließt aus den Privatkopieabgaben nichts in Kulturfördertöpfe", begründet Ole Seelenmeyer, DRMV-Vorstand, seine Haltung gegenüber pressetext.

Förderung

In Frankreich werden 25 Prozent der Einnahmen aus der Privatkopieabgabe für die Förderung von Kunst und Kultur aufgewendet. In Deutschland fließen die Einnahmen zunächst in einen Topf der Verwertungungsgesellschaft GEMA und werden nach einem festgelegten Schlüssel an die Musiker verteilt. Das Vergabesystem wird jedoch von vielen Seiten kritisiert wird. "Das meiste Geld aus diesem Topf erhalten die bestverdienenden Musiker, weil man annimmt, dass sie am stärksten von Internetdiebstahl betroffen sind", so Seelenmeyer weiter. Das große Heer der talentierten, jungen, aber weniger bekannten Musiker erhalte kaum etwas von diesen Abgaben.

Verheerende Folgen

Die französischen Unterstützer der Privatkopieabgabe fürchten, dass die Abgabe abgeschafft und gänzlich durch DRM-Systeme ersetzt wird. "Das Verschwinden der Einnahmen aus der Privatkopieabgabe würde für die Kulturindustrie verheerende Folgen haben", warnen die 50 Organisationen in Frankreich. Wenn sich DRM tatsächlich durchsetzt, hätte dies auch in Deutschland tiefgreifende Folgen sowohl für die Kreativen als auch für die Verbraucher. "DRM schränkt den Verbraucher massiv bei der Nutzung von Inhalten ein", warnt auch Julian Finn, Mitorganisator der deutschen Fairsharing-Kampagne für eine Kulturflatrate.

Massive Eingriffe

Auch für die Musiker bedeuten DRM-Systeme einen massiven Eingriff in ihre Arbeit. Schon jetzt sei es für Musiker und DJs problematisch, an bestimmten Stellen Musik zu schneiden oder Samples herzustellen, betont Finn weiter, der hierin ein Problem der Kulturvielfalt sieht. "Wir sind gegen DRM und fordern zumindest ein Verbot von DRM-Systemen, die von der Industrie auf privaten Abspielgeräten installiert werden", sagt Finn abschließend.(pte)

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    Verbraucherschützer und Kreative treten für eine Kulturflatrate ein.

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