Autorinnen während der NS-Zeit geprüft

27. Juli 2000, 10:09

Forschungsprojekt auf der Germanistik untersucht Haltungen gegenüber dem "literarischen Anschluss"

Graz - Österreichische Schriftstellerinnen und ihre Verhaltensweisen während des Nationalsozialismus werden in einem Forschungsprojekt am Grazer Germanistikinstitut auf den Prüfstand gestellt. Die Bandbreite der damals möglichen Reaktionen auf den "literarischen Anschluss" will die erste Inhaberin einer Herta-Firnberg-Stelle an der Grazer Universität, Karin Gradwohl-Schlacher, in ihrer laufenden Studie über die drei österreichischen Autorinnen Ingeborg Teuffenbach, Erika Mitterer und Veronika Rubatscher aufzeigen.

Ihr gehe es um die Darstellung des weiten Panoramas an möglichen Haltungen gegenüber dem "literarischen Anschluss" an das NS-Regime, so die Germanistin im Gespräch. Drei Schriftstellerinnen der damaligen "Ostmark" - Ingeborg Teuffenbach, Erika Mitterer und Veronika Rubatscher - sind Ausgangspunkt der Untersuchung, die zeigen soll, wie unterschiedlich Autorinnen auf die Gegebenheiten des Dritten Reiches reagieren konnten. Die Bandbreite der möglichen Verhaltensmuster reicht von vorbehaltloser Begeisterung für das Regime über die Innere Emigration bis zum Widerstand.

NS-konform

Die aus Wolfsberg/Kärnten gebürtige, später in Innsbruck lebende Ingeborg Teuffenbach (1914 - 1992) sieht die Grazer Germanistin als Typus der "NS-konformen, erfolgreichen, vom politischen System geförderten Autorin". Erika Mitterer (geb. 1906) steht nach bisheriger Auffassung für den Typus der "Inneren Emigrantin". Der Lebensweg der in Hall/Tirol geborenen Autorin Veronika Rubatscher (1900 - 1987) führt wiederum von der inneren Emigration zum aktiven Widerstand.

Die Germanistin ortet vor allem im Bereich der sogenannten "Inneren Emigration" besonderen Forschungsbedarf: In ihrer bisherigen Arbeit sei sie immer wieder auf Autorinnen gestoßen, welche sich zwar aus der literarischen Öffentlichkeit zurückgezogen aber dennoch die institutionellen Vorgaben des Nationalsozialismus erfüllt haben: "Nur die wenigsten Autorinnen konnten oder wollten sich den totalen Rückzug aus dem literarischen Leben leisten und nahmen die Rahmenbedingungen in Kauf", meint die Wissenschafterin.

Frage nach Nutznießen

"Tatsache ist, dass Innere Emigranten vom Nationalsozialismus auch finanziell profitieren konnten", erklärt die Germanistin. Hier stelle sich die Frage, ob das Nutznießen des Systems der Zugehörigkeit zur Gruppe der Inneren Emigranten nicht zuwiderläuft: Beispielhaft sei Erika Mitterer erwähnt, deren Jahreseinkommen 1941 - nicht zuletzt durch ihren regimekritischen und danach nicht mehr aufgelegten historischen Roman "Der Fürst der Welt" - an jenes eines Gauleiters herankam.

Unter Berücksichtigung allgemeiner und individueller Lebens- und Publikationsbedingungen sollen daher nicht nur Texte der Autorinnen, sondern auch deren institutionelle Einbindung, Mitgliedschaften, ökonomische Situation, Ausbildung etc. in der Studie Berücksichtigung finden, um so genauere Auskunft über den Grad der Involvierung bzw. der Distanz zum Regime zu erlangen, so die Germanistin. (APA)

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