Boxen: "Wir Kämpfer sind verflucht"

31. März 2007, 23:57
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Nach zehn Jahren Frühpension will Henry Maske am Samstag in München an Virgil Hill Revanche üben

München - Ring frei für ein Seniorentreffen in der Münchner Olympiahalle. Dort treffen einander heute, Samstag, im Boxring der Deutsche Henry Maske (Olympiasieger, IFB-Weltmeister) und der US-Amerikaner Virgil Hill (WBA-Weltmeister), um einen zehn Jahre alten Fight zu wiederholen. Beide sind 43 Jahre alt.

Eigentlich könnte Maske ein zufriedenes Frühpensionistendasein führen: Schönes Haus, nette Kinder, Chef mehrerer McDonalds Filialen ist er auch noch. Warum also dieser Stress? "Wir Kämpfer sind verflucht, ewig Kämpfer zu sein", sagt Maske, und wer sich nun an die Rocky-Filme mit Silvester Stallone erinnert, liegt nicht falsch. Maske hat sich dessen jüngsten und sechsten Streifen aus dem Jahr 2006 angesehen und fühlte sich vom 60-jährigen Stallone inspiriert: "Da haben mir viele Szenen aus der Seele gesprochen. Ich habe den Mut, etwas zu tun, was sich andere niemals zutrauen würden, gerade auch in Bezug auf das Alter."

Mit Hill ist das überhaupt so eine Sache. Nachdem Maske seine Amateurkarriere 1988 mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul gekrönt hatte, stieg er ins Profigeschäft ein. Da war das Halbschwergewicht aus Frankfurt/Oder recht erfolgreich: Zwischen 1993 und 1996 verteidigte er seinen IBF-Weltmeistertitel zehn Mal. Doch ausgerechnet beim allerletzten Kampf 1996, ebenfalls in München, entriss ihm Hill den Titel. "Time to say goodbye", schmachteten Sarah Brightman und Andrea Bocelli. Maske schluchzte, die Zuseher auch.

Das will der "Gentleman", der den Boxsport in Deutschland salonfähig machte, heute ausmerzen. "Revanche", brüllt der Privatsender RTL seit Wochen und hofft, dass Maske nicht so schnell wegkippt wie Axel Schultz bei seinem peinlichen Comebackversuch im Herbst gegen Brian Minto. Immerhin sind die Kontrahenten diesmal in der selben Altersklasse. Dennoch plagt Maske ein Alptraum: "Der erste Schlag von Hill trifft, und ich gehe k. o." Das würde viele in Deutschland erheitern. Denn seit der ehemalige Publikumsliebling Maske sein Comeback nach zehn Jahren Pause angekündigt hat, verfolgen ihn Hohn und Spott.

"Maske verliert vorzeitig. Die Kondition wird nicht reichen. Die Psyche wird nicht da sein. Die Erwartungen sind zu groß. Und Henry kann keine besseren Reflexe als vor elf Jahren haben", prophezeit Boxpensionist Dariusz Michalczewski. Kabarettist und Box-Experte Werner Schneyder höhnt: "Dieses Ich-bin-immer-noch-der-Dollste-Gefühl ist im Boxen so ausgeprägt wie in keiner anderen Sportart. Kein Becker, kein Muster, kein Sampras der Welt würde das Gefühl haben, er könnte noch Roger Federer schlagen." Während Maske erwägt, im Fall eines Sieges gegen den alten Rivalen seine Karriere fortzusetzen, ist Hill am Geld interessiert: "Die Gage nehme ich gern mit. Ich muss sehen, was ich noch kriegen kann, bevor ich in Pension gehe." (Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 31. März 2007)

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    Henry Maske legt seine Bandagen an und ist bereit, hart auszuteilen.

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