Insel der Klimaschutz-Seligen

31. März 2007, 12:00
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Auf El Hierro in den Kanaren soll künftig Strom nur aus erneuerbarer Energie kommen

El Hierro macht Geschichte. Die kleinste der Kanarischen Inseln, die zu den Unesco-Biosphären zählt, wird als weltweit erstes Territorium ausschließlich mit Strom aus erneuerbarer Energie versorgt werden. Das Heizkraftwerk, das bisher die 10.000 Einwohner von El Hierro versorgt, geht spätestens Ende 2009 vom Netz. Ersetzt wird es durch ein kombiniertes Wind-Wasser-Kraftwerk.

Jährlich werden 6000 Tonnen Diesel eingespart, die bisher per Schiff auf die Insel gebracht werden müssen. Der Umbau vermeidet pro Jahr den Ausstoß von 20.000 Tonnen des Treibhausgases CO2, rund 100 Tonnen Schwefeldioxid und 400 Tonnen Stickstoff. Die 278 Quadratkilometer große Insel verbraucht jährlich 35 Gigawatt Strom. 2015 werden es voraussichtlich 48 Gigawatt sein.

54 Millionen Euro werden in das Wind-Wasser-Projekt investiert. "Das neue Kraftwerk ergänzt eine Energie, die immer wieder unterbrochen wird, mit einer ständig verfügbaren", versprechen die Konstrukteure. Was kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach. Auf El Hierro bläst von März bis September ununterbrochen der Wind. Ein großer Park mit Windrädern wird dies zur Erzeugung elektrischer Energie nutzen.

Reservoir im Vulkan

Und zwar für eine größere Menge als unmittelbar verbraucht wird. Mit dem Überschuss wird eine Pumpstation betrieben. Diese schafft Wasser aus einem Wasserreservoir unten an der Küste in ein Becken in einem erloschenen Vulkan, 700 Meter höher.

Sobald der Wind aussetzt, kommt der Wasserzyklus des Kraftwerkes zum Einsatz. Turbinen erzeugen dann mit Hilfe des herabfließenden Wassers den Strom. Das bisherige Dieselkraftwerk bleibt für den Fall erhalten, dass es im neuen Wind-Wasser-Kraftwerk zu einem schlimmeren Störfall kommen sollte.

"Das ist ein Unternehmen, wie es sonst nirgends auf der Welt ausprobiert wurde", erklärt der Direktor des Forschungsabteilung des Kanarischen Technikinstitutes (ITC), Gonzalo Piernavieja stolz. Er hofft, dass die Selbstversorgung von El Hierro zum Vorbild für andere Territorien weltweit wird. Sein Institut will prüfen, inwieweit auch andere Inseln der Kanaren vom Erdöl unabhängig gemacht werden können. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.3./1.4. 2007)

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    Auch die endemische Echsenart Gallotia simonyi wird auf El Hierro vor Treibhausgasen geschützt sein.

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