Südstaatenfamilienruine

30. März 2007, 18:38
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Beth Henleys "Crimes of the Heart" zeigt die Nachwehen eines Multidesasters - Vienna's English Theatre

Bekanntlich beziehen Südstaatendramen ihren Unterhaltungswert aus festgewurzelten Landgemeinschaften, die emotionsbewaffnet im Sumpf an Gerüchten und Intrigen aneinandergeraten. Dort aber, wo Beth Henleys Crimes of the Heart - gerade im Vienna's English Theatre angelaufen - ansetzt, ist die handgreifliche Dramatik bereits abgefeiert: In der Küche der drei Magrath-Schwestern trifft man sich zur Beschau ihres nachweislich ruinierten Dorffamilienlebens. Lenny (Kate Gleason) feiert gerade ihr dreißigstes verbittertes Lebensjahr, Meg (Shannon Koob) stöckelt aus einer gescheiterten Singkarriere daher, und der Kind gebliebenen Babe (großartig entrückt: Kathleen White) ist vor kurzem der Gattenmord misslungen.

In den Nachwehen des Multidesasters schwimmt nun aber genug eigenwillige Logik für verbissenes, offenherziges Problemlösen mit. Unter Regisseur Jonathan Fox gestaltet sich deren Entwicklung allerdings langwierig. Für ein durchaus liebenswertes Ende muss das Publikum zuvor eineinhalb Stunden aussitzen. (pet/ DER STANDARD, Printausgabe, 31.3./1.4.2007)

Vienna's English Theatre, Mo-Sa bis 5. 5. 19.30
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