Posthume Ehrung der "letzten Hexe Europas"

30. März 2007, 18:32
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1782 wurde die Schweizerin Anna Göldi hingerichtet - Stiftung und Museum erinnern an den historischen Justizmord

Glarus - Anna Göldi (1734-1782) wurde vor 225 Jahren in Glarus (Schweiz) hingerichtet und gilt vielen als "letzte Hexe Europas". In Andenken an Göldi ist nun eine Stiftung gegründet worden. Im Juni erscheint ein Buch über den Justizmord, und im September wird ein Museum eröffnet.

Eine Veranstaltung im Jubiläumsjahr ist der Anna-Göldi-Tag am 13. Juni 2007, dem Tag ihrer Hinrichtung. An diesem Tag wird das Buch "Der Justizmord an Anna Göldi" der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Autor ist Walter Hauser, Mitglied des Stiftungsrats, Journalist und Verfasser mehrerer Bücher über Themen der Glarner Geschichte.

Fehlverhalten der Judikatur

Der Journalist aus dem Glarnerland präsentiert, wie er auf Anfrage erklärte, neue Originaldokumente und Fakten zum mysteriösen Justizfall. Hauser schildert, wie zwei deutsche Journalisten den Skandal vor 225 Jahren ins Rollen brachten und wie Zeitgenossen aus dem Glarnerland das Todesurteil unter Lebensgefahr kritisierten.

Hauser zieht ein brisantes Fazit: Über die Hinrichtung von Anna Göldi entschied ein Gericht, das nicht einmal zuständig war.

Neues Museum

Ein weiterer Anlass im Jubiläumsjahr zu Ehren von Anna Göldi ist die Eröffnung eines Museums am 22. September 2007 in Mollis. In einer dauerhaften Ausstellung werden die neuen Dokumente zum Hexenprozess erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zudem sollen dort regelmäßig kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Anna Göldi wurde am 13. Juni 1782 zum Tod durch das Schwert verurteilt. Die Magd aus armen Verhältnissen soll unter anderem Nägel ausgespuckt und die Tochter ihres Dienstherrn verzaubert haben. Außerdem wurde sie des Kindesmords verdächtigt. Im Prozess gab sie unter Folter zu, Kräfte des Teufels genutzt zu haben. (APA/sda)

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