Josef von Sternberg-Retrospektive im Filmmuseum

3. April 2007, 18:25
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Gezeigt wird das Gesamtwerk - inklusive des erst kürzlich gefundenen Prater-Fragments aus dem Wien-Film "The Case of Lena Smith"

Wien - Erotik, Artistik, Dynamik, Staunen - Josef von Sternbergs Idee vom Kino kann mit diesen vier Schlagwörtern ziemlich genau umrissen werden. Das Österreichische Filmmuseum zeigt - nach der letzten Retrospektive 1999 - nun von 1. bis 27. April das Gesamtwerk des 1894 in Wien-Leopoldstadt geborenen Regisseurs. Die Schau umfasst mehr als 20 Filme, darunter das erst kürzlich gefundene Prater-Fragment aus Sternbergs Wien-Film "The Case of Lena Smith" (1929). Zudem wird, laut einer Filmmuseums-Aussendung, Sternbergs Tochter Catherine Dupont von 19. bis 21. April in Wien sein.

Unter den Hollywood-Regisseuren war Josef von Sternberg ein Star und als solcher dazu fähig, ein Geschöpf ganz nach seinem Willen zu formen. Sternbergs "Erfindung" war Marlene Dietrich, deren Mythos durch den "Blauen Engel" kreiert und in einer langen Reihe legendärer Inszenierungen verewigt wurde. Sternberg, der berüchtigte Diktator hinter der Kamera, hatte mit Marlene den Vamp schlechthin geschaffen - eiskalt, schön, unnahbar und vom Flair des Androgynen umgeben.

Künstlerischer Werdegang

Der als Jonas Sternberg geborene Josef von Sternberg, der bereits im Kindesalter in die USA kam, begann in billigen Hollywood-Produktionen als Regieassistent, Cutter und Autor. Er schrieb und inszenierte den Spielfilm "The Salvation Hunters" (1925), der weitgehend in und vor den Lehmhütten von San Pedro in Kalifornien entstand. Der Überraschungserfolg dieses Films führte zu einem Engagement bei Metro-Goldwyn-Mayer, wo er "The Exquisite Sinner" (1926) drehte, jedoch bald in Unfrieden schied, um für Charles Chaplin den Film "The Sea Gull" (1926) zu drehen. Der bereits fertige Film wurde jedoch aus ungeklärten Gründen nie herausgebracht.

Mit dem Erfolg von "Underworld" (1927) begann seine Verbindung mit Paramount. "The Last Command" (1928), in dem Emil Jannings einen emigrierten russischen Aristokraten spielte, der als Film-Statist sein Geld verdienen muss, und "The Docks of New York" (1928) hatten bereits seinen Ruf gefestigt, als er von Erich Pommer nach Berlin eingeladen wurde, um "Der blaue Engel" (1930) für die UFA zu drehen. Danach kehrte er zur Paramount zurück und begann mit seiner Serie von Filmen um seine Entdeckung Marlene Dietrich: "Morocco" (1930), "Dishonored" (1931), "Shanghai Express" (1932), "Blonde Venus" (1932), "The Scarlet Empress" (1934) und "The Devil is a Woman" (1935).

Das Spätwerk

Sternbergs spätere Filme - er wurde nach acht Jahren von der Paramount gefeuert, als die Einspielergebnisse seiner Filme so schlecht wurden, dass niemand mehr seine Arroganz ertragen wollte - halten dem Vergleich mit den Paramount-Filmen nicht mehr stand. Die für Columbia erstellte Verfilmung von "Crime and Punishment" (1935) mit Peter Lorre als Raskolnikoff ließ sogar sein visuelles Flair weitgehend vermissen, und der mit Charles Laughton in London gedrehte "I, Claudius" (1937) konnte wegen eines Unfalls von Merle Oberon nicht vollendet werden. "The Shanghai Gesture" (1941) kommt seinen früheren Meisterwerken noch am nächsten, dem Film fehlt allerdings die Zentralfigur wie seinerzeit Marlene Dietrich. Nichtsdestotrotz - Sternberg starb 1969 in Los Angeles als einer der großen Unnachahmlichen des Kinos. (APA)

  • Szene aus "Jet Pilot": Josef von Sternberg, 1950/57
    foto: österreichisches filmmuseum

    Szene aus "Jet Pilot": Josef von Sternberg, 1950/57

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