10.000 Wohnungen zusätzlich benötigt

9. Jänner 2008, 13:58
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Wifo-Studie: Bauleistung in Österreich sollte mittelfristig auf rund 55.000 fertig gestellte Wohneinheiten angehoben werden

Eine neue Wifo-Studie kommt zu dem Schluss, dass in Österreich durch die steigende Zuwanderung mittelfristig mit einem zusätzlichen Bedarf von rund 10.000 Wohnungen gerechnet werden muss. Dieser lasse sich nur zum Teil aus der Reserve decken, so Wifo-Bauexpertin Margarete Czerny. Derzeit werden rund 43.000 Wohnungen pro Jahr fertig gestellt, in fünf bis zehn Jahren sollte die jährliche Wohnbauleistung auf rund 55.000 Wohnungen angehoben werden.

Anders als viele andere europäische Länder verfüge Österreich mit dem Wohnbauförderungssystem über ein wirksames Instrument zur Lenkung der Wohnbauentwicklung "sowohl in ökonomischer Hinsicht als auch in Hinblick auf soziale, regionalpolitische und vor allem ökologische Aspekte", heißt es in der Studie. Wohnbau wirke sich stabilisierend auf das Bruttoinlandsprodukt aus, zudem übe das Fördersystem in Österreich eine nachfragesteuernde Wirkung aus. Die Wohnbauförderung könnte deshalb in Zukunft gezielter als wirtschaftspolitisches Instrument bei schwacher Konjunktur eingesetzt werden.

2,3 Milliarden Euro im Durchschnitt

Der Bund überweist jährlich 1,78 Mrd. Euro an Zweckzuschüssen an die Bundesländer. Die Ausgaben für die Wohnbauförderung betrugen im Durchschnitt der letzten zehn Jahre rund 2,3 Mrd. Euro pro Jahr. Das Fördersystem bietet eine Vielfalt von Gestaltungsmöglichkeiten, die in Zukunft verstärkt genutzt werden sollten.

Die Wohnbauförderung sollte durch neue Förderprogramme als Lenkungsinstrument mittelfristig einen neuen Stellenwert erhalten, empfiehlt die Studie. Dabei sei verstärkt auf die Bereitstellung von sozialem Wohnraum zu achten.

Steuerliche Anreize zur Sanierung

Durch gezielte Anreizfinanzierung sollte in Österreich flächendeckend ein Standard für Niedrigenergie- und Passivhäuser gesetzt werden, zugleich sollte die thermische Sanierungsquote mittelfristig von zwei auf fünf Prozent angehoben werden.

Um das große Potenzial zu nutzen, das in der umfassenden thermischen Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern besteht, empfiehlt Czerny die Einführung einer steuerlichen Förderung der thermischen Wohnhaussanierung als Ergänzung zur Wohnbauförderung der Länder. "Dies würde die private Sanierungstätigkeit stimulieren und die Qualität des österreichischen Wohnungsbestands heben sowie neben den ökologischen Vorteilen zusätzlich Beschäftigungs- und Wachstumsimpulse schaffen", so die Expertin.

Schließlich spricht sich Czerny für weitere wohnungspolitische Maßnahmen aus: Die Schaffung von gesetzlichen Rahmenbedingungen für das "Energiecontracting" im Bereich der privaten Wohnhaussanierung, die verstärkte Nutzung von Energiecontracting und Reconstructing in der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft und die gesetzliche Verankerung einer Mindestrücklage für thermische Sanierung beim Wohnungseigentum.

Pflegedienst-Wohnungen für Pflegepersonal

Das Konzept der so genannten Pflegedienst-Wohnungen könnte überdies "helfen, Älteren die Pflege in der eigenen Wohnung zu erleichtern, weil das Pflegepersonal in unmittelbarer Nähe wohnen könnte." Als "Teil einer Entwicklung von neuen Formen der Altenpflege" könnte eine permanente Erreichbarkeit des Pflegepersonals die Lebensqualität älterer Menschen wesentlich verbessern und aus gesamtwirtschaftlicher Sicht die Betreuungs- und Pflegekosten senken, so Czerny. (red)

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Wifo
  • Im Wohnungseigentum empfiehlt die Wifo-Studie die gesetzliche Verankerung einer Mindestrücklage für thermische Sanierung.
    derstandard.at/ped

    Im Wohnungseigentum empfiehlt die Wifo-Studie die gesetzliche Verankerung einer Mindestrücklage für thermische Sanierung.

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