"Feuchte Hände" als Motivations-Indikator

30. März 2007, 17:00
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Was den einzelnen Menschen antreibt, stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Standard-Mentoring-Circle

Der Standard-Mentoring-Circle lud am Montag mit der Frage "Woher kommt die Motivation?" zum Netzwerktreffen ins Wiener Palais Liechtenstein. Andrea Scherney, Sportdirektorin des Österreichischen Behindertensportverbands, offenbarte zu Beginn ihren inneren Antrieb.

Scherney, die nach einem Motorradunfall 1986 entscheiden musste, sich einen Unterschenkel amputieren zu lassen oder das Bein kaum mehr belasten zu können, rang sich damals zu Ersterem durch. "Im Nachhinein eine gute Entscheidung", erklärte sie guter Laune – sonst wären Sportstudium und Leichtathletik vorbei gewesen. Stattdessen schaffte es Scherney nach der Rehabilitation, sich international einen Namen zu machen.

"Heute ist mir fast alles möglich", meinte sie, von KarrierenStandard-Leiterin Karin Bauer auf ihren Weltrekord im Weitsprung der Paralympics sowie die Medaillengewinne im Kugelstoßen und Diskuswerfen angesprochen, bescheiden. Positives Denken habe ihr sehr geholfen – "das lernt man aber nicht von einem Tag auf den anderen". Wichtig sei, nicht an dem zu verzweifeln, was man verloren hat, "sondern daran zu denken, was man kann". Realistische Ziele tun ihr Übriges, wobei "der Behindertensport ein sehr gutes Modell" für Motivationstrainings sei.

Mentale Kraft

Beeindruckt von dieser mentalen Kraft, nahmen danach fünf Managementprofis Stellung. "Ich hatte immer das Privileg, für eine starke Marke zu arbeiten", nannte Standard-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, früher u.a. für die Caritas und die Erzdiözese Wien tätig, einen seines Erachtens zentralen Motivator. Wobei die Mitarbeitermotivation nicht nur Sache der Führung sei, sondern auch Dienstnehmer-"Bringschuld". Wenn das Management "mit ganzem Herzen dabei ist", sei oft spürbar, "wie der Funke überspringt". "Eine gute Führungskraft merkt, wer nicht motiviert ist, und sucht das Gespräch", stellte Human-Resources-Manager Christian Arbeiter von SAP klar, wo die Verantwortung des Managements sitzt.

Ob Motivation eher von außen oder von innen kommt? – "Das schwankt", war Vertriebschef Manfred Holzkorn von Wiesner Hager überzeugt. In schweren Zeiten stünde der Umsatz im Vordergrund.

Birgit Niessner von der Austrian Development Agency motiviert, "dass ich den Beruf ausüben kann, den ich mir ausgesucht habe".

An seinen Unternehmenseinstieg erinnerte sich Christian Herbiger (T-Mobile Consumer Marketing). Ihm hatte es die Marke Max Mobil angetan: "Es war lässig, dort zu arbeiten." Abnützung sei ganz natürlich:"Auch ich habe nicht nur Powerphasen." Wenn die Verantwortung, die man trage, aber "keine feuchten Hände" mehr mit sich bringe, "dann muss man darüber nachdenken, ob der Antrieb noch da ist". (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe 31.3/1.4.2007)

  • Manfred Holzkorn (Vertriebschef Wiesner Hager), Birgit Niessner (Austrian Development Agency), STANDARD-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, Christian Arbeiter (HR-Director SAP), Christian Herbinger (Consumer Marketing T-Mobile) udn Karin Bauer im Palais Liechtenstein zur Frage: Was motiviert?
    foto: christian fischer

    Manfred Holzkorn (Vertriebschef Wiesner Hager), Birgit Niessner (Austrian Development Agency), STANDARD-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, Christian Arbeiter (HR-Director SAP), Christian Herbinger (Consumer Marketing T-Mobile) udn Karin Bauer im Palais Liechtenstein zur Frage: Was motiviert?

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