Weiße Mäntel für Wache-Beamten

31. März 2007, 11:09
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Am Montag soll Helmut Elsner ins Rehab-Zent­rum überstellt werden, das Essen bekommt der Ex-Bawag-Chef dann aufs Zimmer serviert, die Justizbeamten tragen weiße Kittel

Althofen - Der ehemalige Bawag-Chef Helmut Elsner (71) wird voraussichtlich am kommenden Montag seinen Rehabilitationsaufenthalt in der Humanomed Klinik im Kärntner Althofen beginnen. Während seines Aufenthaltes wird eine Informationssperre verhängt, wie Klinikleitung und Justiz am Freitag bei einer Pressekonferenz im Kurzentrum bekannt gaben. Der Vorwurf, Elsner erfahre eine Sonderbehandlung, wurde von der Justiz erneut zurückgewiesen.

Alfred Steinacher von der Vollzugsdirektion in Wien betonte erneut, man sei "bei allen Insassen der Justizanstalten verpflichtet, für ihre körperliche und geistige Gesundheit zu sorgen". Eine Sonderbehandlung für Elsner gebe es nicht. Dass die Bewacher von Häftlingen oder U-Häftlingen weiße Mäntel tragen würden, sei nichts Ungewöhnliches und komme öfters vor. Auch der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt, Peter Bevc, erklärte: "Wir behandeln alle gleich." Es gebe aber Unterschiede, etwa zwischen Untersuchungshäftlingen, Strafgefangenen, Jugendlichen, oder Drogenabhängigen.

Privilegien-Vorwürfe

Die Tatsache, dass Elsner das Essen aufs Zimmer serviert werde, erklärte Bevc mit Sicherheitsproblemen. "Es wäre schwierig, die Bewachung in einem Speisesaal durchzuführen." Zu dem Vorwurf, es sei ein Privileg, dass der U-Häftling ein Mobiltelefon erhalte, sagte Bevc: "Grundsätzlich gilt für Untersuchungshäftlinge in Österreich die Unschuldsvermutung." Die U-Richterin habe keine Telefon-Einschränkungen verfügt, die Begrenzung auf 15 Minuten pro Tag sei von den Justizbehörden angeordnet worden. Das Handy werde von den Wachebeamten verwahrt.

Helmut Eder, geschäftsführender Gesellschafter des Kurzentrums, zeigte sich überrascht von dem Medienrummel und den Privilegien-Vorwürfen. In Althofen gebe es rund 650 Betten, 120 seien eine Krankenanstalt, 270 Betten seien für Rehabilitation vorgesehen, der Rest stehe für Kurgäste zur Verfügung. "Elsner befindet sich nicht in einer Privatklinik, sondern in einer Abteilung, die für jeden Staatsbürger zugänglich ist." Die Kosten bezifferte Eder mit 316 Euro pro Tag, "das ist der normale Tarif".

Es werde keine Bevorzugung geben, Elsner werde gleich behandelt werden wie alle anderen Patienten auch. Eder wies auch die Meldung, wonach man mit Elsner auf der Homepage des Zentrums geworben habe, dezidiert zurück: "Wir haben lediglich eine kurze Notiz ins Internet gestellt." Von dem Medienrummel sei man völlig überrascht gewesen.

Einzeltherapien

Primarius Josef Sykora, Leiter der Herz-Rehab, betonte, die Rehabilitation sei "fixer Bestandteil" der Behandlung schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Praktisch jeder Österreicher nach einer Herzoperation bekommt eine." Der Schwerpunkt liege bei Bewegungstraining und der Verringerung der Risikofaktoren. Elsner erhalte alle Behandlungen, die notwendig seien, allerdings werde es keine Therapien in Gruppen mit anderen Patienten geben. Der laufende Rehab-Betrieb werde durch den Aufenthalt Elsners nicht beeinträchtigt.

Die Aufenthaltsdauer des prominenten U-Häftlings ist vorerst für vier Wochen vorgesehen. Sykora gab aber zu bedenken, dass die Dauer von den gesundheitlichen Fortschritten abhänge. "Es könnte sich um eine, maximal zwei Wochen verlängern." Ob es am Ende seines Kärnten-Aufenthaltes Informationen über seinen Gesundheitszustand geben wird, darüber entscheidet nicht die Klinik, sondern die Justiz. Der Prozess gegen Elsner soll im Juli beginnen. (APA)

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Bawag
  • Während Elsners Rehab herrscht Informationssperre.
    foto: standard/heribert corn

    Während Elsners Rehab herrscht Informationssperre.

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