Salzburg: "Frau am Kreuz" bleibt straffrei

30. März 2007, 14:05
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Ein Aufreger, aber kein Straftatbestand: die für Karfreitag 2006 geplante nackte Frau am Kreuz als Werbesujet für Kunstaktion

Eine für Karfreitag 2006 geplante Kunstaktion der Arge-Kultur führte in Salzburg zu massiven Interventionen von Bürgermeister und ÖVP. Geblieben ist nichts: Die Verfahren wegen Herabwürdigung religiöser Lehren wurden alle eingestellt.

Salzburg – Manche Intervention wird öffentlich gespielt: Die Salzburger VP-Gemeinderatklubchefin Claudia Schmidt hat im Zusammenhang mit der von der Arbeitsgemeinschaft-Kultur für den Karfreitag vergangenen Jahres geplanten Kunstaktion "ER-lösung" am 10. April 2006 an Salzburgs Polizeidirektor Gottfried Mayr geschrieben. Der Brief ist auch den Medien zugestellt worden. Inhalt: Bei der Aktion sei "der Verstoß gegen das Strafgesetzbuch" evident; diese erfülle den Tatbestand nach Paragraf 188 Strafgesetzbuch "Herabwürdigung religiöser Lehren" und sei zu untersagen.

Eine andere Interventionen sollte wohl nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken: Wie aus einem – dem Standard vorliegenden – polizeiinternen Mailverkehr hervorgeht, hat das Büro von Bürgermeister Heinz Schaden (SP) ebenfalls an Mayr geschrieben. Wörtlich heißt es: "Herr Bürgermeister ersucht Herrn Polizeidirektor dringend in dieser Sache tätig zu werden." Dann folgt der in die Mail kopierte Paragraf 188 zur "Herabwürdigung religiöser Lehren". Gezeichnet: "Inge Kuderer, Büro Bürgermeister Dr. Heinz Schaden." Eine Stellungnahme Schadens war nicht zu erhalten, er weilt in Südamerika.

Die Performance mit der polnischen Aktionskünstlerin Dorota Nieznalska, bei der in Form einer Prozession das Thema Opferung, "vom christlichen Bild des Opfertodes Jesus Christus hin zum säkularisierten Gebrauch/Missbrauch des Opferbegriffes", beleuchtet werden sollte, hat übrigens nie stattgefunden. Die Arge-Kultur hatte nach heftigen politischen und medialen Attacken zurückgezogen. Lediglich eine im Rahmen der Veranstaltung geplante Podiumsdiskussion mit prominenten katholischen Theologen hat stattgefunden.

Druckmittel Förderung

Die Aktion selbst wurde abgesagt, weil die Sicherheit von Akteuren und Zusehern "angesichts eines pöbelnden und drohenden Mobs" nicht mehr gewährleistet werden könne, wie es Vertreter der Arge-Kultur offiziell formulierten. Tatsächlich dürfte aber vor allem die angedrohte Subventionskürzung ausschlaggebend gewesen sein. Bürgermeister und Kulturressortchef Schaden hatte im Vorfeld vor "Streitereien um jede Subvention für die Arge" gewarnt, sollte die Veranstaltung stattfinden. Differenzierte Stimmen wie jene der Evangelischen Superintendentin Luise Müller verhallten. Sie meinte, man solle erst nach der Veranstaltung urteilen.

Obwohl die Karfreitag-Performance nie über die Bühne gegangen war und niemand weiß, was Nieznalska wirklich geplant hatte, ermittelte die Staatsanwaltschaft in Folge gegen den künstlerischen Leiter der Arge-Kultur, Marcus Hank, und gegen Vereinsvorsitzenden Alexander Mänhardt. Mehrere Anzeigen sahen schon durch das Plakatsujet der nackten Frau am Kreuz den Tatbestand der "Herabwürdigung religiöser Lehren" erfüllt. Die Verfahren wurden vor wenigen Tagen eingestellt. (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2007)

  • Ein Aufreger,
aber kein
Straftatbestand:
die
nackte Frau
am Kreuz als
Werbesujet
für
Kunstaktion.
    foto: arge-kultur

    Ein Aufreger, aber kein Straftatbestand: die nackte Frau am Kreuz als Werbesujet für Kunstaktion.

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