Sehr späte Geburt birgt Gesundheitsrisiko

29. März 2007, 19:49
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Verschleißerscheinungen laut Gynäkologen im höheren Alter schwerer zu kompensieren - Keine Gesetzesänderung bei Eizellenspende angedacht

Graz - "Es steht uns nicht zu zu moralisieren", sagte Wolfgang Urdl von der Grazer Frauenklinik in Hinblick auf die Debatte, welche die Niederkunft einer 66-Jährigen Steirerin ausgelöst hatte. "Damit müssen wir leben, dass Frauen immer später Kinder bekommen", fügte er hinzu.

Gesetzesänderung nicht angedacht

Drei Fälle sind bisher gut gegangen: Am Grazer LKH haben seit 2002 zwei Frauen, die das Klimakterium bereits hinter sich hatten, entbunden, eine von ihnen wurde vor zwei Wochen 66-jährig neuerlich Mutter. Während der Schwangerschaften und auch während der Geburten, die mittels Kaiserschnitt erfolgten, hatten sich keine Probleme für die zwei Frauen ergeben, sagt der Gynäkologe Urdl. Verschleißerscheinungen des Körpers seien im höheren Alter aber schwerer zu kompensieren. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Schlaganfälle seien ein "extremes Risiko". Die 66-Jährige hatte sich im Ausland künstlich befruchten lassen, denn Eizellen zu spenden ist laut österreichischem Gesetz nicht erlaubt. Eine Gesetzesänderung wird auch nicht angedacht.

Der Vergleich, dass der Handel mit Eizellen dem Organhandel gleichkomme, sei zulässig. Und "es werden Millionen Euro damit gemacht", sagt Urdl. Schätzungen zufolge sind es 150 in Österreich lebende Frauen, die sich eine fremde Eizelle haben einsetzen lassen und alte Frauen bilden hierbei die Ausnahme. Am beliebtesten, weil nahe, sind Zentren in Tschechien.

Appell, Eizellenspenden zu legalisieren

Der Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin der Grazer Frauenklinik plädierte im Standard-Gespräch dafür, dass Eizellenspenden legalisiert werden und jenen Frauen zugute kommen, die in jüngerem Alter Kinder bekommen wollen, es aber nicht können, weil Erkrankungen, Leukämie zum Beispiel, eine Schwangerschaft unmöglich gemacht haben.

Auch Wilfried Feichtinger, Leiter des Wunschbabyzentrums in Wien, sprach sich dafür aus, "wenn die natürliche Grenze der Wechsel ist". Er sieht die Problematik darin, dass die Spende im Gegensatz zur Samenspende des Mannes eine Körperverletzung darstellt, weil die Eizellen operativ entfernt werden (mehr dazu hier). Doch: "Warum sollen Frauen schlechter gestellt sein als Männer?", fragte Urdl. (mil/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3. 2007)

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