Unruhe im Musikgefüge

31. März 2007, 14:04
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Die Wiener Symphoniker im Musikverein

Wien - Jukka-Pekka Saraste, Chef Oslo Philharmonic Orchestra, hat sich für sein Treffen mit den Symphonikern Reizvolles zusammengestellt. Seltenes von Berlioz, Beliebtes von Brahms und die 5. Symphonie von Sibelius. Letzteres weckten Erwartungen, doch die Tonsprache des Landsmannes schien den finnischen Dirigenten unberührt zu lassen, bemüht arbeiteten sich die Musiker durch das Werk.

Im Kopfsatz gelangen noch einzelne Klangimpressionen. Die Geigen betteten einen melodischen Gedanken im Holz in flirrendem Klang, heroisch meldete sich das Blech, ließ aber tänzerischer Leichtigkeit den Vortritt. Doch eine gestaltende Dirigentenhand fehlte, von Note zu Note mehr. Sibelius zerklüfteter Duktus zerfiel in spannungslose Einzelteile. Am Ende blieb Ratlosigkeit.

Auch Renaud Capucon, kurzfristig für Frank Peter Zimmermann eingesprungen, brillierte im Violinkonzert von Brahms nicht auf gewohntem Niveau. Wuchtig und kraftvoll der Ton, doch fehlten ihm Wärme und Leuchtkraft. In die bekannt strahlend-virtuose Technik des Franzosen mischten sich einige Grautöne, ein veritabler Schmiss in der Kadenz des 1. Satzes - Capucon meisterte das Missgeschick mit improvisierendem Geschick - schien Ausdruck des unruhigen Gefüges zu sein.

Saraste bot dem Kollegen auch kaum sicheres Fundament. Das zähe Tempo des Kopfsatzes ließ die Musik nur behäbig in Gang kommen, animierende Impulse für Orchester und Solist fehlten. Einzig in Berlioz' Ouverture du Corsaire (zu Beginn) kam ein gewisses Animo jenseits diverser Ungenauigkeiten zum Klingen. Beredt und facettenreich bekam das Klangbild eines tollkühnen Seeräuberlebens Konturen, zu dem Berlioz von Lord Byrons The Corsair inspiriert wurde.

Kantig-forsch entfalteten sich die Züge des Titelhelden, machten einigen weichen, zärtlicheren Tönen Platz, bevor dräuende Chromatik von Unheil kündete und in ein furioses Finale mündete. (Petra Haiderer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2007)

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