Dreifache Reise ins Licht: "The Fountain" von Darren Aronofsky

4. April 2007, 18:39
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In unendliche Weiten von Raum und Zeit: ein visuell überwältigendes Panoptikum, das sich selbst im Nirgendwo verliert

Wien - Wer dieser Tage im Kino erfolgreich eine Geschichte erzählen will, entwirft am besten gleich mehrere nebeneinander. Keine Nebenhandlungen, sondern einander ablösende, gleichwertig gewichtete Erzählstränge. Dass das seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich praktizierte Prinzip zuletzt wieder stark im Aufwind ist, mag verschiedene Gründe haben. Einer jedoch ist allen Filmen gemein: dem Zufall eine höhere Bedeutung zukommen zu lassen.

Dies erweist sich für Globalisierungskritik (Babel) ebenso zweckdienlich wie für den Versuch, Imaginäres und Reales aneinander zu binden (Pan's Labyrinth). Nun reiht sich auch Darren Aronofskys filmisches Vexierspiel The Fountain in eine Reihe jüngerer Produktionen ein, die derart dem Fantastischen frönen. Allerdings nicht in narrativer Hinsicht, sondern - und das ist neben so manchen Schwächen seine größte Stärke - auf visueller und philosophischer Ebene. Eine Philosophie jedoch, an die man trotz oder gerade aufgrund ihrer Verquastheit unbedingt glauben muss.

Sucher in Seifenblase

The Fountain erzählt zunächst von einem Wissenschafter (Hugh Jackman), der in der Gegenwart fieberhaft ein Mittel gegen den Hirntumor seiner Frau (Rachel Weisz) sucht. Doch der Mann ist auch in der Vergangenheit und der Zukunft auf der Suche: Als Konquistador erforscht er im 16. Jahrhundert für die spanische Königin den südamerikanischen Dschungel nach einem "Baum des Lebens", während er in der Zukunft in einer Art Seifenblase, in der eben dieser Quell des Lebens wächst, durch den Weltraum fliegt.

Um sich im metaphysischen Gewirr, das Aronofsky in der Folge zwischen Bibelexegese, Okkultismus, fernöstlicher Meditation und westlicher Philosophiegeschichte entspinnt, nicht zu verheddern, reicht eine ganze Handvoll Interpretationsansätze nicht aus: Hier reihen sich Zitate aus der Genesis nahtlos neben hanebüchene Esoterik, um andererseits in einzelnen Szenen großartige, mit Gold und Grün durchtränkte Bilder zu generieren. Wunderschön etwa die leitmotivische Wiederholung, wenn ein im Raum schwebendes Kerzenmeer am spanischen Hof sich in den Sternenlichtern des Alls wiederfindet.

Sechs Jahre soll der Regisseur von Pi und Requiem for a Dream am Film gearbeitet haben. Er musste den Abgang von Brad Pitt vor allem finanziell verkraften und mit einem Budget zurande kommen, das seiner Imaginationskraft nicht genügte - was man dem Film stellenweise auch deutlich ansieht. Das "Bring es zu Ende", das als Leitsatz die ewige Suche des dreigespaltenen Helden begleitet, kann also durchaus auch für Aronofsky selbst gelten. Seiner Reise muss man als Zuschauer jedoch mit blindem Gehorsam und offenen Augen folgen, sonst bleibt man hier auf halber Strecke zurück. (Michael Pekler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2007)

  • Der Zeitreisende und der Baum: Hugh Jackman steuert auf der Suche nach dem Ursprung des Lebens in einer überdimensionalen Seifenblase durchs goldene Weltall.
    foto: lunafilm

    Der Zeitreisende und der Baum: Hugh Jackman steuert auf der Suche nach dem Ursprung des Lebens in einer überdimensionalen Seifenblase durchs goldene Weltall.

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